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"Exkurs" in die heutige Zeit:  Zusatz zu unserer Seite  Der Langwellensender Europe No 1

4 b) Die Antennenanlage von Europe No1
                 und die verschiedenen Mast-Abbrüche            



Der private französische Radio-Sender EUROPE 1 entstand in den 50er-Jahren auf saarländischem Terrain aufgrund von Verträgen seiner Betreiber mit der Saar-Regierung. Er sendet sein werbefinanziertes Programm bereits seit 1954 und noch heute über die weithin sichtbaren Langwellen-Antennen auf dem Gebiet der Gemeinde Felsberg-Berus, die hauptsächlich nach Frankreich strahlen.

Eine ausführliche Darstellung der Entstehung und Entwicklung dieser Sendestation finden Sie auf unserer Seite Europe No 1.

Wie wir dort berichten, wird diese starke Sendestation noch heute an einer riesigen Antennenanlage betrieben.


Mit den Masten dieser Anlage gab es im Laufe der Jahrzehnte verschiedene mechanische Probleme:


1) Nach einem Bericht in der saarländischen Neue Zeit*) vom 13.1.1955 mit der Überschrift "Skandal um Europa Nr.1" war einer der ersten beiden Antennenmasten (die anderen kamen erst fünf bzw. zehn Jahre später hinzu) schon kurz nach seiner Errichtung "wackelig". Das Blatt berichtete: "Von den beiden 200 Meter hohen Sendemasten neigt sich einer wie der schiefe Turm von Pisa. Es wird in der Bevölkerung erzählt, daß es der 'schiefe Turm von Berus' sei."

*) Die Neue Zeit war damals das Organ der Kommunistischen Partei, Landesverband Saar.      

 2) Eine kleine Sensation ereignete sich im Jahr 1959: Damals wurde einer der beiden Masten um über 100 m verschoben, ohne dass man ihn vorher abgebaut hatte! Über die Gründe und die Einzelheiten dieser "Verschiebung" können Sie Näheres unter der Überschrift "Wie 1959 einer der über 270 m hohen Sendemaste um 102 Meter verschoben wurde" auf unserer >Sonderseite "Sendemast auf Wanderschaft" lesen.


Anm.: Die nachfolgend beschriebenen Ereignisse aus der neueren Zeit passen eigentlich nicht zu dem Zeitrahmen dieser Saar-Nostalgie- Website. Wir berichten aber trotzdem darüber, weil es um die Antennenanlage eines Senders geht, dessen Entstehung eng mit dem Saarstaat der 50er-Jahre verknüpft war und damals für viel Aufsehen sorgte - siehe dazu auf unseren Seiten Europe No. 1 und Telesaar.


3) Am 8. August 2012 brach das obere Drittel von einem der vier Hauptsendemaste des Langwellensenders Europe 1 in Felsberg-Berus ab. Deshalb wurde das Programm von da an über die Reserveantenne abgestrahlt. Den Rest des havarierten Mastes haben Spezialisten am 19. November 2012 gesprengt. Ein weiterer Mast wurde im Juni 2013 umgelegt, sodass die Haupt-Antenne heute nur noch aus zwei Masten besteht.

Zeitliche Übersicht der Antennen-Ereignisse ab 2012:

08.08.2012: Abbruch des obersten Drittels von Mast 2

19.11.2012: beabsichtigte Sprengung von Mast 2

13.06.2013: Sprengung von Mast 1 


Was war geschehen? Am Mittwoch, 8. August 2012, meldete ein Hörer dem Saarländischen Rundfunk, dass der obere Teil von einem der 4 Hauptsendemasten von Europa 1 abgebrochen sei. Das schätzungsweise etwa 100 m lange Maststück liege nicht weit vom Sendegebäude entfernt auf dem Boden. Laut SR wurde nach Angaben der Behörden bei dem Zwischenfall niemand verletzt.

 

Der SR berichtete danach auf seiner Website:

"Die Technische Betreibergesellschaft der Sendeanlage in Berus hat Spezialisten damit beauftragt, den Vorfall zu untersuchen. Vermutungen, dass die Betreiber ihren Instandhal- tungspflichten vielleicht nicht nachgekommen seien, weist der Geschäftsführer zurück. Es gebe zwar Sicherheitsprobleme, aber es seien keine Wartungsarbeiten versäumt worden."

 

Das Programm des Senders wurde von da an auf derselben Frequenz wie vorher (Langewelle 183 kHz) mit verminderter Leistung (vermutlich 1000 kW) über die Ersatzantenne abgestrahlt. Diese besteht aus zwei kürzeren, jeweils nur 234 m hohen Masten, die in ca. 1000 m Abstand zum Sendegebäude stehen (siehe Skizze auf unserer Seite Europe No. 1 und verschiedene Fotos hier weiter unten). Das Foto rechts zeigt die Spitze des damals abgeknickten Masts.

 

Die Ursache für den Abbruch an dem Mast war zunächst nicht bekannt. Nachdem der SR die oben zitierte Aussage des Geschäftsführers der Betreiberfirma verbreitet hatte, verhängte die "Europäische Rundfunk- und Fernseh-GmbH" offensichtlich eine Informationssperre zu dem Zwischenfall. Auf diesbezügliche Anfragen erhielt man keine Antwort.

 

Nach einiger Zeit wurden Einzelheiten über die mögliche Ursache für den Unfall bekannt:


Der ARD-Sender "radioeins-RBB" teilte auf seiner Website mit, dass am Rande des Internationalen Rundfunk-Konvents IBC in Amsterdam Aussagen bekannt wurden, die offenbar von einem tatsächlichen Insider stammten. Er soll die bereits vielfach geäußerte Vermutung bestätigt haben, dass die Ursache für den Unfall im Bruch von mehreren Isolatoren zu sehen sei, die in die Pardunen (Abspannungsseile) der Masten eingefügt waren. [1]

 

Unsere beiden Fotos zeigen Isolatoren des havarierten Mastes in Berus: rechts vor, links nach dem Unfall.

 

Die Isolatoren werden von zwei stabilen Metallrahmen gehalten, die isoliert und um 90 Grad zueinander versetzt angebracht sind (siehe Foto rechts). Bricht ein Isolator (wie im Bild links), wird die Pardune den Mast zwar zunächst noch halten, sie hängt aber etwas durch. Wenn dann noch einer der beiden Rahmen bricht, kann ein Teil des Mastes abknicken oder herunterfallen - so wie es in Berus geschehen ist.

  

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[1] http://www.radioeins.de/programm/sendungen/medienmagazin/radio_news/beitraege/2012/felsberg_isolator.html (Link nicht mehr verfügbar)

 

Die weitere Entwicklung der defekten Antennenanlage:

 

1) Der nächste Schrittt erfolgte am 19. November 2012, also gut drei Monate nach dem Abbruch. Der havarierte Rest-Mast wurde von Spezialisten gesprengt. Eine öffentliche Vorankündigung erfolgte nicht. Die Saarbrücker Zeitung berichtete am 20.11.2012, dass der etwa 200 Meter hohe Rest-Mast mit einem weithin vernehmbaren Donnern genau dorthin fiel, wo ihn die Fachleute haben wollten, nämlich neben das Gebäude der Senderanlage.

 

2) Ein gutes halbes Jahr später, am 13. Juni 2013, wurde auch der benachbarte Mast 1 (der am weitesten nordöstlich stand) gesprengt, wiederum ohne jede Vorankündigung. In der Zeitung war am nächsten Tag zu lesen, die Betreibergesellschaft habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil der Mast nicht mehr benötigt wurde. Bis zu einer dauerhaften Lösung sollte das Programm weiterhin über die Ersatz-

Antenenn gesendet werden.

 

Stand der Dinge seit 2014:  Offensichtlich hat man inzwischen die Speisung der beiden verbliebenen beiden Hauptmasten so umgebaut, dass sie nun alleine zur Abstrahlung des Signals verwendet werden können. Die Sendeleistung soll 1 MW betragen (= 1.000 kW). Über die Entwicklung der Sendeanlage seit 2016 lesen Sie bitte auf unserer Seite LW-Sender Europe No.1 ganz unten im Abschnitt "Zur aktuellen Entwicklung auf dem Sauberg seit 1. August 2016".

 

Im Folgenden zeigen wir Bilder vom Aussehen der Antennenanlage in den verschiedenen Stadien der Sprengungen 2012/13:

 

Die vier Haupt-Sendemasten in Berus waren ursprünglich (von SW nach NO gesehen) 270, 276, 280 u. 282 m hoch. Jeder Mast war an fünf Stellen in je drei Richtungen mit Stahlseilen ("Pardunen") abgespannt. Auf diesem Bild sind nur drei der Masten zu sehen. Der höchste der vier Masten steht ganz links, außerhalb des Bildes. Zwei seiner Abspannseile laufen schräg durch das Foto. Im Bild ist links der 2012 havarierte Mast zu sehen; er war ursprünglich 280 m hoch.

 

dh

 

Rechts von dem oben abgeknickten Mast erkennt man den damals für den europäischen Fernsehsender geplanten (aber nur Anfang 1958 für wenige Tage benutzten) Antennenturm (siehe auf unserer Seite Telesaar!), und rechts daneben steht die Sendehalle von Europe 1.


Der Mast ist zwischen seiner dritten und vierten Abspannungsbefestigung abgebrochen. Von seinen ursprünglich 26 roten und weißen Farbsegmenten sind nur noch die unteren 16 zu sehen. Dies bedeutet, dass der Restmast um ca. 40 %, also etwa 100 Meter kürzer war als vorher. Er maß in diesem Zustand immer noch ca. 180 m.

 

     

 

   Bild links: Die "neue Mastspitze" in Großaufnahme. - Foto in der Mitte: Aus diesem (Tele-) Blickwinkel scheinen die Masten dicht nebeneinander

   zu stehen. Der Abstand zwischen ihnen beträgt aber in Wirklichkeit jeweils etwa 350 Meter!

   Bild ganz rechts: In den hier sichtbaren Halterungen erkennt man (rechts) die herausgebrochenen Isolatoren.

 

 

8. August 2012: Der heruntergefallene Mastteil liegt am Boden. Dahinter verläuft, von kurzen Pfosten gestützt, ein Stück der Antennenzuleitung (besser zu erkennen auf der folgenden Ausschnittsvergrößerung!)

                                                                                                           

 

  In der Bildmitte sieht man eine der (noch intakten) Isolatorenkonstruktionen, die in die Pardunen eingebaut waren.     

  Rechts daneben hängt der herabgefallene Abspannungsdraht zum Teil über der ebenfalls beschädigten Speiseleitung.

                                                                                                                                                                      

 

Auf dieser Luftaufnahme vom 8. September 2012 (aus einem Sportflugzeug) sind aus Blickrichtung Südosten alle sechs Masten zu sehen. Der beschädigte Mast ist der zweite von rechts; er steht direkt neben der Sendehalle und dem kleinen  Fernsehturm aus Beton. Hinter dem vierten Hauptmast (halblinks) erkennt man schwach die etwa einen Kilometer entfernt stehenden beiden Masten der Reserveantenne. Sie sind jeweils 234 m hoch. (Alle Fotos oben und unten: Rainer Freyer)

 

 

In dieser zweiten Luftaufnahme vom 8. Dezember 2012 sieht man den abgebrochenen Teil des beschädigten Mastes auf dem Boden liegen. Durch den ungewöhnlichen Aufnahmewinkel von schräg oben ergibt sich eine ungewöhnliche Darstellung der Dachfläche des Sendehallen-Gebäudes, die ja immer als "muschelförmig" bezeichnet wird (siehe die anderen Bilder von dem Gebäude weiter unten).

 

    Die folgenden Bilder zeigen den Zustand der Anlage vor und nach der Sprengung von Mast 2:

 

Nach dem "Unfall": die vier Hauptmasten; der zweite von links ist der abgebrochene. Aufnahme: 16. Sept. 2012.

Nach der Sprengung am 19. November 2012 stehen nur noch drei Masten; der abgebrochene ist verschwunden.

 

Die folgende Bilderreihe zeigt die Entwicklung der Europe-1-Antennen ab 2012

 

 

Juli 2012: Als die (Antennen-)Welt in Felsberg-Berus "noch in Ordnung" war... (von Saarlouis aus gesehen). Die beiden kürzeren Maste der Reserve-Antenne stehen auf diesem Bild außerhalb des Blickfeldes.

 

Die nächsten drei Fotos bieten einen Blick auf die gesamte Antennenanlage zu verschiedenen Zeiten aus etwa 20 km Entfernung (vom Schoksberg zwischen Köllerbach und Riegelsberg aus gesehen). Die vier großen Maste der Hauptantennenanlage sind jeweils von rechts nach links nummeriert.

 

Zwischen den Masten 3 und 2 sieht man auf jedem dieser 3 Bilder das Dach der Sendehalle und den kleinen Fernsehturm. Ganz rechts stehen die beiden 234 Meter hohen Maste der Reserve-Antenne;

sie befinden sich einen knappen Kilometer von der großen Sendehalle entfernt und wirken deshalb noch kleiner (siehe Zeichnung auf der Seite Europe 1 und Luftaufnahme hier weiter oben). Die Blickwinkel, aus dem die Fotos aufgenommen wurden, sind leicht verschieden, wie man an der Stellung der Reservemaste und der Windräder zu den Hauptmasten erkennen kann. Die beiden Windräder tragen die Namen Adèle und Chantal; sie stehen (nach einer Info von Markus Ehl, Altforweiler) nahe der deutsch-französischen Grenze in der Gemarkung der lothringischen Gemeinde Berviller en Moselle und gehören zu einer Gruppe von insgesamt fünf Windrädern.

 

August 2012: Mast 2 ist der havarierte Mast, der oben um ein gutes Drittel seiner Länge abgebrochen ist. Die beiden kleineren Maste rechts im Bild sind in etwa 1000 m Entfernung von der Hauptantenne aufgebaut und stellen die Reserveantenne dar.

 

November 2012: Der havarierte Mast 2 (er stand bisher hier in der Bildmitte) ist weggesprengt worden.

 

 

Juni 2013: Mast 1 ist jetzt ebenfalls gesprengt worden. Rechts im Bild sind nur noch die beiden

Masten der Reserveantenne zu sehen. Dies ist der Zustand der Antennanlage seit 2013.

 

Nach dem 19. November 2012 lagen die Überreste des gesprengten Mastes 2 am Boden:

 

 

 

 

Nach dem 13. Juni 2013 lagen die Reste von Mast 1 über die Wiese verstreut:                                                                                                     

 

 


 

Alle Fotos dieser Seite:  Ingrid Tschurl und Rainer Freyer

 

Weitere Seiten über Europe No. 1 auf Saar-Nostalgie:

 

a) Wie 1959 einer der über 270 m hohen Sendemaste um 102 Meter verschoben wurde: > Sonderseite "Sendemast auf Wanderschaft"

 

b) Die ausführliche Darstellung der Entstehung und Entwicklung des Senders seit 1954 finden Sie auf unserer Haupt-Seite Europe No.1

 


 

 

 

Inhalt des Kapitels RADIO UND FERNSEHEN:

 

1)  Geschichte des Rundfunks im Saarland (von 1929 bis 1959 und später)

  

2)  Radio Saarbrücken:

     a)  Der Heimatsender der Saarländer

     b)  Radio-Erinnerungen

     c)  Reporter und Übertragungswagen

     d)  Die Familie Weissenbach  (die beliebten Moderatoren Gerdi und Fritz)

     e)  Die Saarlandbrille  (beliebte Sonntagssendung mit "Zick, Zack & Marieche")     

     f )  Die Wartburg (das Funkhaus von Radio Saarbrücken)

     g)  Der Mittelwellen-Sender Heusweiler  /  Bilder vom Heusweiler Sender

 

3)  Fernsehen im Saarland der 50er Jahre: Von TELESAAR zum SR-Fernsehen

 

4)  Europe 1

     a)  Der private französische Langwellensender Europe No 1     

     b)  Die Antennen-Anlage von Europe 1 - Mastbruch 2012

  

5)  Radio- und Fernsehgeräte aus saarländischer Produktion

 

Diese Seite wurde am 09.08.2012 begonnen und zuletzt bearbeitet am 8.9.2020

 

 

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