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2 a) Radio Saarbrücken

 

 

 

Der Heimatsender der Saarländer


> zur Seite Radio Saarbrücken b) Persönliche Erinnerungen

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 Inhalt dieser Seite:

 

1) Unser Heimatsender an der Saar

4) Nachrichten und Zeitfunk

10) Pausenzeichen (mit Ton)

14) Jubiläumsteller

2a) Programm: Pers. Erinnerungen

5) Kinderfunk

11) Das Emblem des Senders

15) Verschiedene Ereignisse

  b) Programmschema

6) Radioreklame - Werbefunk

12) Reporter und Ü-Wagen*)

16) Interessanter Briefwechsel

  c) Sendungen und Mitwirkende

7) Programmzeitschriften

13) Das Gute-Nacht-Lied

17) Radio und Volksbefragung

3) Funkhaus Wartburg

8) Hörerpost  9) QSL-Karten

  *) > zu unserer Extraseite Reporter und Ü-Wagen  

 

Auf unserer Seite Rundfunkgeschichte finden Sie die Geschichte des Rundfunks im Saarland von den Anfängen bis heute.

Alles über den saarländischen Fernsehsender lesen Sie bitte auf unserer Seite TELESAAR.

Die Orchester von Radio Saarbrücken und ihre Leiter finden Sie im unteren Teil unserer Seite Die Wartburg.

 


 

 

 

 

1) Unser Heimatsender

 

an der Saar

 

 

Radio Saarbrücken (RS) war Nachfolger des Reichssenders

Saarbrücken und Vorläufer der SR-Hörfunkprogramme

 

Nachdem der seit 1935 bestehende Reichssender Saarbrücken bei Kriegsende im März 1945 untergegangen war, entstand schon ein gutes Jahr später eine neue Rundfunkstation im Saarland. Im März 1946 begann Radio Saarbrücken von der Saarbrücker Wartburg aus mit seinem Programm. Nach dem schrecklichen Krieg wurde es schnell zum Heimatsender aller Saarländer. Sie lernten seine Sendungen und seine SprecherInnen im Laufe der Jahre schätzen und schlossen sie in ihr Herz. (Lesen Sie dazu hier einen SZ-Leserbrief von Dr. H. Wilhelm.)

 

Die Sendeanstalt war - zum Teil wohl gezwungenermaßen - von Anfang an ausgesprochen frankreich- und autonomiefreundlich ausgerichtet. Sie diente zunächst der französischen Besatzungsmacht und ab Ende 1947 der Regierung Hoffmann als Sprachrohr.

 

Ab Oktober 1952 wurde der Sender (gemäß dem ersten saarländischen Rundfunkgesetz vom Juli 1952) von der neugegründeten "Saarländischer Rundfunk GmbH" betrieben. (Einzelheiten hierüber finden Sie auf der Seite Rundfunkgeschichte.)

 

 

Nach der Volksbefragung von 1955*) änderte sich die politische Linie der Anstalt: sie war nun "deutschlandfreundlich". Als das Saarland am 1. Januar 1957 als neues Land der Bundesrepublik beitrat, wurde das bisherige "Radio Saarbrücken" unter dem Namen "Saarländischer Rundfunk" weitergeführt.

*) siehe Infos über die Rolle des Senders bei der Volksbefragung

 

Es war aber kein echter Neubeginn, denn im Großen und Ganzen wurden die altbekannten Sendungen des bisherigen Senders zunächst fortgesetzt. Man nahm zwar verschiedene Änderungen am Programm vor (besonders im journalistischen Bereich), arbeitete und sendete aber mit denselben Einrichtungen (erst 1961 erfolgte der Umzug zum Halberg) und zum größten Teil mit denselben Mitarbeitern wie bisher weiter.

 

Links: Der erste Reportagewagen von Radio Saarbrücken

Zwei Bilder aus dem Jubiläumsteller von Horst Rehm. Mehr über das Emblem, das Fahrzeug und den Keramikteller: siehe weiter unten auf dieser Seite!

 

 

2) Das Programm von Radio Saarbrücken

 

a) Persönliche Erinnerungen  (von Rainer Freyer)

 

Radio Saarbrücken war für mich der erste Rundfunksender, den ich in meinem Leben hörte, und ziemlich lange auch der einzige. Wir hatten in unserer Wohnung in Neunkirchen am Hüttenberg ein Radio, das natürlich fast immer auf Mittelwelle 211 Meter eingestellt war. Dort lauschten wir unserem Heimatsender, der über die wichtigsten Informationen vom Zeitgeschehen aus dem Saarland und aus aller Welt berichtete. Außerdem brachte er über den ganzen Tag verteilt unterhaltsame "leichte" Musik, manchmal auch klassische Stücke aus Oper und Operette. Nur gelegentlich stellten wir den SWF ein, und donnerstags abends hörten wir manchmal das Wunschkonzert aus München....

 

Die ausführliche Fortsetzung dieses Textes finden Sie hier auf unserer Seite > Persönliche Erinnerungen an Radio Saarbrücken.

 

 

b) Das Programmschema

 

Das Programm der Rundfunksender war früher über die ganze Woche hinweg in ein festes Schema eingebunden. Auch das Programm von Radio Saarbrücken war von einer solchen strikten Struktur geprägt. Musik- und reine Wortsendungen waren streng voneinander getrennt. Für jede Zielgruppe unter den Hörern gab es bestimmte Programme, die sich immer an denselben Wochentagen zur gleichen Zeit an sie richteten. So wusste der Zuhörer immer genau, wann die von ihm bevorzugten Sendungen ausgestrahlt wurden: Kinderfunk, Schulfunk, Landfunk, Kulturspiegel usw. Es gab auch einen besonderen "Frauenfunk" (siehe z.B. Zeitungsausschnitt rechts unter 18:40 Uhr). Auch die verschiedenen Musiksparten hatten ihre festen Plätze im Programm: Volksmusik, "leichte Musik", klassische Konzerte usw.

 

Zahlreiche Sendungen wurden täglich zu bestimmten Zeiten ausgestrahlt. So kamen z.B. die Nachrichten (noch lange nicht stündlich!) und "Die Stimme des Tages" regelmäßig zu festen Uhrzeiten. Dasselbe galt für weitere in der Saarstaat-Zeit sehr wichtige Sparten, z.B. Französischkurs (um 17.45) und Kirchenfunk (verteilt über den ganzen Tag: um 6.05, 8.45, 14.30 und 17.55 Uhr) - siehe rechts im Montags-Programm aus der SZ vom 25.7.1955.

 

 

Die beiden Programmvorschauen unten stammen aus dem Jahr 1946. Damals wurden noch kurze Programm-Teile des SWF von Radio Saarbrücken ausgestrahlt (mehr dazu im Kapitel Rundfunkgeschichte).

 

Die Sendepausen*) dauerten werktags von 8:30 bis 12 Uhr und von 14:10 bis 18:30, sonntags von 8:30 bis 9:30 Uhr und von 15:30 bis 17 Uhr. Am Sonntag Nachmittag gab es die Märchenstunde (15 bis 15:30), und an Wochentagen lief abends nach 19 Uhr

 

 

die Sendung "Gute Nacht, liebe Kinder"(siehe unten im Abschnitt 4a - Kinderfunk). - Um 20 Uhr kam eine 15-minütige Nachrichtensendung, die später durch die "Stimme des Tages" um 19:45 ersetzt wurde .

*) Zu Sendepausen siehe auch unter 8) Pausenzeichen

Rechts außen ein Sonntagsprogramm von 1949 (aus der HÖR ZU!). An die Stelle der Sendung "Kunterbunt" von 8:30 bis 9:15 trat später "Der Bunte Teller" mit Heinz Dützmann. Von 13 bis 13:20 lief die Saarlandbrille. An diesem Sonntagabend gab es um 20:05 eine öffentliche Quizveranstaltung mit Rudi Schmitthenner: "Versuch dein Glück". Sendepausen gab es sonntags nicht mehr.

 

Ein Sonntag im November

1949 (aus HÖR ZU!)

 

       

 

   

 

 

c) Namen von Sendungen und Mitwirkenden

 

     bei Radio Saarbrücken

 

 

     (mehr Infos erhalten Sie durch Anklicken

     der blauen Links; weitere werden folgen).

 

 

 

 

     

A) SENDUNGEN:

 

 

Guten Morgen, liebe Hörer

mit Ferdi Welter (werktags 6 - 8 Uhr)

Froher Klang zur Morgenstunde (sonntags)

Der Bunte Teller (sonntags ab 8:30)   -   mehr dazu siehe unter dieser Tabelle!

Allerhand für Stadt und Land

s. Extra-Seite (mit Hörproben!)

werktags 11-12 Uhr

Nachrichten

(siehe weiter unten, Abschnitt 4)

Saarnachrichten

(siehe unten, Abschnitt 4)

Die Saarlandbrille  So, 13:00

(s. Extra-Seite mit Hörproben!)

Der Hörerbriefkasten

Presseschau

Mittagskonzert

Märchenstunde (So 15 Uhr)

Frauenfunk

Die Stimme des Tages Indikativ (Anhören!)

(Näheres siehe unten im Abschnitt 4 - Nachrichten)

Sport und Musik

(Sportberichte und "Tippreihe" Sporttoto-/Lotto-Ergebnisse)

Der runde Tisch (werktags zwischen 19 und 19:30 Uhr)

Die Mundartbühne

(Hörspiel, montags)

Hörspielkrimi

Gute Nacht, liebe Kinder

(werktags um 19 Uhr)

Vom Telefon zum Mikrofon

So lebt Frankreich

Spreb und Atzel (Wiedemann/Weissenbach)

Sendepausen (Pausenzei- chen) - s. unten, Abschn. 9)

Versuch dein Glück

(mit Rudi Schmitthenner)

Von Mensch zu Mensch (mit Alfred Petto oder Joh. Kirschweng)

Wir lernen Französisch

Heiteres aus der Saarheimat

Die genaue Zeit mit Lip

Jugendfunk (mit Heinrich Kalbfuss; 1950-53, 2-mal in der Woche)

Musik für alle

Kirchenfunk

                             

 

Zur Sendung Der Bunte Teller mit Dr. Heinz Dützmann (sonntags ab halb 9 auf MW, 1963 auch um 10 Uhr im 2. Programm):

 

Ein Zeitzeuge  berichtet: Im Gedächtnis sind mir die Sendungen von Dr. Heinz Dützmann am Sonntagmorgen, ein steter Begleiter unserer Familie zur Kaffeezeit. Dr. Dützmann war ein begeisterter Vogelkundler und erkundete mit dem Mikrofon Vogelstimmen in freier Natur, die er in seiner Sendung zu Gehör brachte. Er liebte auch Oper und Opernsänger. Er brachte zum Beispiel das berühmte Postillon-Lied aus der Oper "Der Postillon von Lonjumeau" immer wieder zu Gehör und verglich dabei die Stimmen von Helge Rosvaenge und Josef Schmidt mit moderneren Versionen. Ein besonders liebenswerter Moderator. (Hans Peter Annen, St. Augustin)

Ansage und Indikativ zum Bunten Teller (Auszug aus dem Concierto for Clarinet v. Artie Shaw und Stimme Heinz Dützmanns)

 

 

            B) MITWIRKENDE  (Einzelheiten über die aufgeführten Personen sollen Zug um Zug in dieses Kapitel eingefügt werden.)

                                        

SPRECHER/innen:  Hinweis: Namen und ggfls. Sterbejahre weiterer SR-SprecherInnen (auch aus späteren Jahren) finden Sie auf unserer                               Seite Rundfunkgeschichte im Abschnitt 4.

Ferdi Welter (schon seit 1935 beim Reichssender Saarbrücken)

Dr. Heinz Dützmann (Der Bunte Teller, Reportagen)

Luitpold Ganther

(Sprecher und Tenorsänger)

Fritz und Gerdi Weißenbach Fritz seit 1936 beim Saar-Radio.

Franz Duhr

Walter Fürsattel

Lothar Rollauer

Paul Heinen

Nestor Xaidis

Günter Stutz

Werner Dorow

Klaus Greinke, Luitpold Ganther

De Zick, de Zack unn's Marieche

(Saarlandbrille)

Otto Karl (O.K.) Müller

Christa Adomeit (Eheleute)

Margot Schönberger

Victor Lenz (Eheleute)

Rudi Schmitthenner (Quiz-und öffenliche Sendungen)

Werner Wiedemann, Hildegard Puth

(Sprecher bei d. Radioreklame)

Albert C. Weiland

(Sprecher & Oberspielleiter)

Brigitte Dryander

Martha Nikodemus

Josef Reichert

(Heimatfunk und Chormusik)

ORCHESTERLEITER: (siehe auch hier auf der Seite Wartburg)

Dr. Rudolf Michl, Leiter des Sinfonieorchesters

Karl Ristenpart

(Kammerorchester des SR)

August Antoni (Radio- Unterhaltungsorchester)

Wolfgang Kowatsch (= Johnny Kowa): Halberger Musikanten

Rudi Braun (Musette Ensemble; er spielte auch im Café Kreimer in Neunkirchen)

Heinz Gebhard (Radio- Tanz- & Unterhaltungsorchester, später Edmund Kasper)

Manfred Minnich (Leiter Tanzorchester Sbr bis 1964, danach Eberhard Pokorny

 

WEITERE:

 

 

 

Kinderfunk: Tante Käthe, T. Hilde (Hermann), T. Christa (Frischkorn)

Der Märchenonkel

(Werner Jakobi)

Sportreporter: Charly Scholz, Rudi Michel, Jupp Hoppen

Karl Pastowsky (Zeitfunkreporter)

Heinrich Kalbfuss (Jugendfunk)

Johannes Kirschweng

(religiöse Sendungen)

Anne-Lise Ollendorff

(Frauenfunk u.a.)

Pierre Séguy (Sendeleiter von Radio Saarbrücken)

Wilm ten Haaf

Oberspielleiter (1950 - 1952)

Ernst Becker, Karl Fischer (Tontechniker)

Ilse Laudenklos geb. Schwickerath (Cutterin/Tontechnikerin)

 

Hinweis: Der damals bekannte und beliebte Josef Pelz von Felinau war manchmal über Radio Saarbrücken

zu hören, er war aber kein ständiger Sprecher des Senders.

 


 

 

3) Das Funkhaus

 

 

von Radio Saarbrücken war die Wartburg

 

in der damaligen Nauwieser Straße

(heute Martin-Luther-Straße)

 

Zur Saarbrücker Wartburg finden Sie

 

hier eine eigene Seite mit vielen Fotos

 

und Erläuterungen über das Gebäude und seine Nutzung.


 

 

4) "Beim Gongschlag ist es 7 Uhr. Sie hören Nachrichten."

Eine der wichtigsten Sendungen im Radio stellen die Nachrichten dar. Heute kommen sie meist alle halbe Stunde, in den frühen Radio-Jahren hörte man sie viel seltener, bei Radio Saarbrücken höchstens neunmal am Tag. Die Meldungen kamen damals fix und fertig zum Vorlesen aus der Nachrichtenredaktion auf den Tisch des Sprechers. Auf diesem befanden sich das Mikrofon (wenn es nicht von der Decke herunterhing), die Räuspertaste (mit ihrer Hilfe können die Sprecher kurzzeitig ihr Mikrofon stumm schalten, wenn sie husten oder niesen müssen), oft ein Duden oder Wörterbuch (zum eventuellen Nachschlagen schwieriger Ausdrücke oder Namen) und der Gong zum Ansagen der genauen Zeit. Er wurde anfangs richtig von Hand geschlagen, wie es auf dem Foto links zu sehen ist. Später war es ein elektromechanischer Gong, der auf Knopfdruck ausgelöst wurde, heute gibt es dafür meist Zeitzeichentöne oder Jingles. Kleine Glosse zum Gong: Weil Ferdi Welter in seiner Frühsendung allzu häufig auch mitten in der Sendestunde zur Zeitansage den Gong betätigte, wurde er von der Sendeleitung nach einigen Jahren gebeten, stattdessen ein kleines Handglöckchen dafür zu verwenden (siehe auch unsere Seite "Radio-Erinnerungen" neben dem 7. Bild von oben).

 

Das Foto links zeigt einen noch nicht identifizierten Sprecher mit dem Handgong.

Bild oben rechts: Klaus Greinke. Er las Nachrichten, moderierte manchmal Sendungen und wirkte auch in Hörspielen und Sketchen mit.

 

Gretl Palm begann als Nachrichtensprecherin bei Radio Saarbrücken schon kurz nach der Wieder- aufnahme der Sendungen nach dem Krieg.

 

Auch Walter Fürsattel (unten) und Otto Karl

(O.K.) Müller (rechts) lasen bereits bei Radio Saarbrücken Nachrichten. (3 Fotos aus den 60ern)

O.K. Müller arbeitete auch bei Telesaar und später beim SR- Fernsehen. Er war mit Christa Adomeit verheiratet.

Die Stimme des Tages war eine tägliche 20 bis 30-Minuten-Sendung mit Meldungen, Kommentaren, Berichten, Reportagen und Interviews; sie lief bis Ende 1963. Mitte der 50er-Jahre brachte Radio Saarbrücken täglich etwa 115 Minuten Nachrichten, beinahe genauso viel wie beim Südwestfunk - obwohl unserem Sender nur etwa halb so viel Personal zur Verfügung stand wie dem SWF.

Die Erkennungsmelodie (das Intro) zur Stimme des Tages können Sie sich hier anhören: Indikativ  

 

 

 

Links: Vier Sprecher aus dem Team der "Stimme des Tages":

Nestor Xaidis

Albert Arthur Müller

Günter Stutz und

Theo Schulte.

 

 

 

Bild rechts: Martha Nikodemus Sie war bereits beim Reichs- sender Saarbrücken tätig.

 

 

Als Nachrichtenagentur war anfangs nur die Agence France Presse (AFP) zugelassen. Der Leiter ihres Saarbrücker Büros bildete auch die Zensur-Instanz von Radio Saarbrücken.

 

Die Nachrichten aus Saarbrücken waren sachlich, aber auch kritisch, solange es um ausländische Politik ging. Sobald über die Politik der französischen oder der saarländischen Regierung berichtet wurde, waren sie jedoch bedingungslos regierungsfreundlich.

Sie gaben kritik- und kommentarlos den Standpunkt des Hoffmann-Regimes wieder. Denn im Saarländischen Rundfunkgesetz von 1952 war festgeschrieben worden, dass keine Sendung die in der Verfassung vorgesehene Staatsordnung gefährden dürfe (§ 4.6). Wichtigste Aufgabe der Mitabeiter des Nachrichtendienstes war dementsprechend die kompromisslose Unterstützung der Ziele von Staat und Regierung.

 

Auf dem Foto oben links ist Albert Arthur Müller im Sprecherstudio zu sehen, ebenfalls mit dem handbedienten Gong (wie im Bild oben, zu Beginn dieses Abschnitts 4). Im Foto rechts: Waltraud Margraf, Sprecherin am Saarbrücker Sender von 1936 bis 1977.

 

 

 

Der "AKTUELLE DIENST" war bei Radio Saarbrücken meist noch recht langsam...

 

Eine Unterbrechung des laufenden Programms zwecks sofortiger Übermittlung aktueller Meldungen - so etwas war damals bei Radio Saarbrücken (und wohl ebenso bei den anderen deutschen Sendern) undenkbar. Auch nicht bei Sendungen mit Live-Moderation. Erst nachdem man die Sendestruktur des ersten SR-Hörfunkprogramms ab 1964 umgestellt hatte (siehe unsere Seite Rundfunkgeschichte, Abschnitt 4 im 2. Absatz), wurden brisante Meldungen mit einem Jingle angekündigt und ins laufende Programm eingestreut: "SR1 - Aktueller Dienst". In der Zeit davor gab es so etwas im Saar-Radio nicht. Der französische Sender Europe No. 1 war in dieser Beziehung viel fortschrittlicher. Dort nannte man solche ins laufende Programm eingeblendete kurze Nachrichtenmeldungen "Flash“.

Ferdinand Kleineick erinnert sich:

 

Früher hörte ich neben Radio Saarbrücken gerne auch den Sender Europe No. 1 auf Langewelle, vor allem wegen der flotteren Musik. Eines Morgens [es war am 9. Oktober 1958] kam dort plötzlich die Nachricht: "Le Pape est mort." Papst Pius XII war in Castelgandolfo gestorben. Als ich zu Radio Saarbrücken umschaltete, um mir Näheres darüber auf unserem Heimatsender in Deutsch anzuhören, lief dort das übliche, wie immer "heitere" Programm ganz normal weiter. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, wohl über eine Stunde, bis die laufende Sendung plötzlich und unvermittelt abgebrochen wurde. Zunächst kam das Pausenzeichen, und dann hörte man eine geraume Zeit lang nur getragene Orgelmusik. Eine Ansage mit einer Begründung dafür erfolgte zunächst nicht. Erst zur vollen Stunde, als die regulären Nachrichten kamen, erfuhren auch die Hörer von Radio Saarbrücken, dass der Papst gestorben war. Man hatte wohl so lange gebraucht, um sich darauf vorzubereiten.

 

Seit vielen Jahren sieht es damit beim SR natürlich ganz anders aus. Aber der Privatsender Europe No. 1 verfügte offensichtlich schon in den 50er-Jahren über einen gut funktionierenden "Aktuellen Dienst"...

 

Ein Wort zu den verschiedenen Mikrofonen, die auf den Bildern oben zu sehen sind: Die großen röhrenförmigen Gebilde waren sogenannte "Neumann-Flaschen". Georg Neumann hatte sein Kondensator-Mikrofon M 1-1 schon in den 30er Jahren gebaut. Es wurde bis in die 60er Jahre im Rundfunk eingesetzt. Sein Innenleben bestand aus der Mikrofonkapsel, einer Röhre, einem Übertrager (Trafo) und einigen anderen Bauteilen. Das ganze Gebilde wog etwa anderthalb Kilo. Dazu kamen bei Portabelbetrieb noch die Batterien. Es gab auch von anderen Firmen Mikrofone, die der Neumann-Flasche fast aufs Haar glichen. Wahrscheinlich sind einige der oben abgebildeten solche "Fremdfabrikate". - Die kleineren, moderneren Mikrofone auf den Bildern oben waren vom Typ Sennheiser MD 421. Dieses dynamische Tauchspulenmikrofon wurde in den 60er Jahren eingeführt.


 

Fotos in diesem Abschnitt 4): Das Bild ganz oben mit dem Gong ist aus: Regierung des Saarlandes, "Worüber niemand spricht", Saarbrücken 1951. Das Foto mit den vier "Stimme des Tages"-Sprechern aus: Unser Sender an der Saar. Das Bild von M. Nikodemus: Foto Hartung, Saarbrücken. Das Foto von Albert Arthur Müller: Landesarchiv Saarbrücken, LA B2482-A-11; Waltraud Margraf aus: 25 Jahre SR, Saarbrücken [1971]. Die übrigen Aufnahmen: Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken.

 


 

Die politische Redaktion von Radio Saarbrücken, 1955

 

Rudolf Hochgrebe, Leiter der Ostredaktion im Nachrichtendienst, schaut im Fernschreiber nach, ob wichtige Meldungen für die 'Stimme des Tages' angekommen sind.

Foto: Sammlung Karl Höchst, SR.

Bild links: (v.l.n.r.) Stehend: (unbekannt), Walter Reuter, Theo Matissek, Heinz Dittmann, Charly Scholz, Rudolf Zeisberger, Ernst Wagner, Dieter Konrad. Sitzend: Ursula Fischer, Irmgard Siewert, Emmi Haberstroh, Berta Apfelbaum, Lulu Konz, Erika Schädler, Martha Heinz.

Foto: Sammlung Lulu Konz, SR.

  

 

5) Kinderfunk: Märchenonkel - Tante Käthe - Tante Hilde - Tante Christa

 

 

Eine wichtige Sparte im Programm von Radio Saarbrücken war der Kinderfunk. Jeden Sonntag Nachmittag war den Kindern ab 15 Uhr eine eigene Sendung gewidmet, die von den "Funk-Kindern" und einer Märchentante gestaltet wurde. In den ersten Jahren war es "Tante Käthe", später "Tante Hilde" (Hilde Hermann, s. Foto) und dann "Tante Christa" (Frischkorn). Die Sendung trug den Namen "Märchenstunde".

 

  

Die beiden Bilder oben sind dem Buch "Tante Hilde erzählt Märchen" entnommen (Editions du Rhin, Strasbourg-Schiltigheim, ohne Jahr, wahrscheinlich um 1950.

 

Ich selbst (Rainer Freyer) verfolgte an jeden Sonntag Nachmittag – während meine Eltern auf dem Sofa in unserem Wohnzimmer unten am Hüttenberg in Neunkirchen ihr Mittagsschläfchen hielten – in der Küche die „Märchenstunde“ mit Tante Hilde und den Radiokindern.

 

"Tante Käthe" war schon vor 1945 beim Reichs- sender Saarbrücken die Märchentante. Ernst Becker erinnert sich, dass die Kinder sie damals mit "Heil Hitler, Tante Käthe!" begrüßten.

 

 

  

 

<< Es gab aber dann doch ein Bild von ihm! (siehe Text oben, aus einer saarl. Illustrierten)  

 

Auf Radio Saarbrücken kam werktags jeden Abend um 7 Uhr die Sendung "Gute Nacht, liebe Kinder" mit dem Märchenonkel (siehe Bild oben links und, in etwas späteren Jahren mit Bart, im Bild hier rechts: er steht dort oben in der Mitte). Er las den Kleinen draußen in Stadt und Land immer ein Märchen oder eine andere spannende oder lustige Geschichte vor. Viele Jahre lang hatte Werner Jakobi diese Rolle übernommen.

 

 

In diesem Bild aus der Weihnachtszeit sehen wir in der obersten Reihe rechts neben dem Märchenonkel "die Tante Christa" (Christa Frischkorn, Dritte von rechts) sowie die "Fernsehsternchen" (das Foto entstand wahrscheinlich im TELESAAR-Studio in der Richard-Wagner-Straße).

 

Bei einem öffentlichen Konzert von Radio Saarbrücken trat hier, wahrscheinlich in Neunkirchen oder Wiebelskirchen, ein Kinderchor in einem öffentlichen Konzert auf.

 

Ganz rechts ist der Chorleiter, Fritz Kunkel, zu sehen, der auch als Organist in der Neunkircher Christuskirche fungierte.

    

 


 

 

6) Der Werbefunk von Radio Saarbrücken hieß "Radio-Reklame"

 

 

Da das Gebührenaufkommen des Saar-Senders aufgrund seines ziemlich kleinen Einzugsgebiets recht niedrig war, musste man versuchen, es mit Hilfe von Werbeeinnahmen aufzustocken. RIAS Berlin hatte bereits am 1. Februar 1948 als erster Nachkriegssender auf deutschem Gebiet mit der Ausstrahlung von Rundfunkwerbung begonnen. Radio Saarbrücken nahm als zweite deutschsprachige Radiostation am 8. August 1948 Werbefunksendungen in sein Programm auf. Am selben Tag wurde die Sendeleistung des Heusweiler Mittelwellensenders von bisher 2 auf 20 kW erhöht. Die Wirkung der ersten Reklamesendungen von Radio Saarbrücken war umwerfend: Bei einigen Firmen stieg der Umsatz unmittelbar nach Beginn ihrer Werbeausstrahlungen im Radio auf das Doppelte an, andere kamen mit der Produktion ihrer Waren nicht mehr nach.

 

Anfangs hatte die Rundfunkverwaltung die gesamte Abwicklung der Radiowerbung an drei Werbefirmen übertragen; unter ihnen war auch die SARAG. Da diese aber wenig Interesse am Aufbau der Werbung im Rundfunk an den Tag legten, übernahm der Rundfunk nach einem Jahr das Werbebüro wieder in eigene Regie. Vom 10. März 1950 an wurde die Werbung im Saar-Radio ausschließlich von der 1949 gegründeten Radio-Reklame GmbH vermarktet, an deren Kapital Radio Saarbrücken zu 95% beteiligt war. Daraufhin stiegen die Werbeeinnahmen von knapp 13 Mio. Franken in 1949 auf über 36 Mio. Frs. im Jahr 1950 an. [1]

 

Der Luxemburger Camillo Felgen war etwa zwei Jahre lang (bis April 1958) Produktionsleiter der Saarbrücker Radio-Reklame (danach ging er zu Radio Luxemburg als Leiter der Sendungen in deutscher Sprache, aus denen bald die "Fröhlichen Wellen von RTL" wurden).

RTL-Stationsansage von Camillo Felgen:  

Aus der Radio-Reklame von Radio Saarbrücken ging später die Werbefunk Saar GmbH (WFS) hervor, die seit dem 17. Oktober 1957 eine hundertprozentige Tochter des Saarländischen Rundfunks ist und heute noch besteht.

 

Lange Zeit wurden die Werbespotsim Radio nur innerhalb von eigens als Reklamesendungen gekennzeichneten Programmen der Rundfunk-Werbegesellschaften ausgestrahlt. In Saarbrücken gestaltete die Radio-Reklame (später Werbefunk Saar) bis 1963 täglich drei Sendestunden mit eigenem Programm, und zwar eine morgens früh von 7 bis 8 (anfangs "Werbekaleidoskop", dann "Froher Klang zur Morgenstunde" und später "Froh in den Tag hinein" mit Wolfgang Gretscher), die nächste am späten Vormittag von 11 bis 12 Uhr in der werktäglichen Sendung "Allerhand für Stadt und Land" (siehe unten und auf unserer Seite über Die Weissenbachs), sowie abends zwischen 18 und 19 Uhr. Die gesamte Werbung eines Tages wurde damals auf diese drei Sendungen konzentriert, die natürlich auch Musik und Moderation enthielten. Mit der Eröffnung der Europawelle Saar 1964 endete diese Praxis: Die Werbespots wurden von nun an als so genannte Streuwerbung über den ganzen Tag verteilt (mehr dazu finden Sie hier.)

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[1] Berwanger, Dietrich. Massenkommunikation und Politik im Saarland 1945-1959. Ein Beitrag zur Untersuchung 'publizistischer Kontrolle'. München, 1969, S. 101 f.

 

In die Sendestunden der Radioreklame fügte man außer einzelnen Werbespots schon sehr früh auch kurze (etwa 2 bis 5 Minuten lange) Sendungen ein, die jeweils von einer bestimmten Firma gesponsert waren. Sie sollten für deren Produkte werben, aber auch unterhalten oder belehren. Manche wurden an jedem Werktag, andere nur an bestimmten Wochentagen immer zu derselben Zeit mit einer neuen Folge ausgestrahlt. Dabei umrahmte die Werbung für ein bestimmtes Produkt kurze redaktionelle Beiträge. Diese boten meist nützliche Tipps für die kochende, putzende oder schneidernde Hausfrau an, wie z.B. bei der Sendung "Bummeln Sie mit? Sie meinen wohin? Endstation Gebrüder Sinn". Gebr. Sinn war ein Wäsche- und Modegeschäft in Saarbrücken und Neunkirchen (viel später hieß es Sinn-Leffers). Moderatorin der Sendung war Hildegard Puth, die wie viele andere Sprecher und Mitarbeiter auch nach der "Radio-Saarbrücken"-Zeit noch beim SR tätig war. Mindestens bis in die 70er-Jahre hinein präsentierte sie z.B. auch eine mehrminütige Werbesendung mit dem Titel "Lesieur gibt Auskunft". Darin stellte sie z.B. Kochrezepte mit Lesieur-Öl vor und gab den Hörerinnen "en passant" ein paar Tipps für Haushalt und Familie - siehe auch den folgenden Text!

             

Unglaublicher Tonband - Fund! Sven Haarmann (Bonn) stieß 1995 in einem Altenheim, in dem er als "Zivi" arbeitete, auf eine Kiste mit alten Tonbändern und überspielte sie auf eine Audiokassette (MC), um sie sich später in Ruhe anhören zu können. Da er noch recht jung war und auch nicht im Saarland lebte, konnte er sich zunächst keinen Reim auf die Herkunft der Aufnahmen machen. An eine Suche im Internet war damals noch nicht zu denken, doch als ihm kürzlich die Kassette wieder in die Hände fiel, stellte er fest, dass von seiner inzwischen nahezu gänzlich gelöschten Tonbandüberspielung noch ein siebenminütiges Fragment erhalten geblieben war. Nun forschte er im Netz nach den Begriffen "Gebr. Sinn", "Hildegard" und "Saarbrücken", die er aus den Aufnahmen heraushören konnte. Dabei wurde er von Google sofort auf diejenige Seite von Saar-Nostalgie geführt, die Sie jetzt gerade lesen; denn hier kommen diese Begriffe ja bereits seit einigen Jahren vor. Er schrieb mir als dem Webmaster eine Mail, und ich erklärte ihm, was es damit auf sich hat. Daraufhin zauberte er aus den "vergammelten" alten Tonbandfragmenten mit viel Geduld und technischem Aufwand zwei digitale Dateien, die er uns dann zur Verfügung stellte.

Das Ergebnis können Sie sich hier anhören; siehe rechts  >>

 

Hildegard Puth spricht ihre Hörerschaft nur mit "meine Damen" an; die Herren lässt sie unerwähnt. In der Lesieur-Öl-Sendung, die Sie hier rechts anklicken können, gibt sie u.a. Ratschläge dafür, wie man zu einer neue Brille oder einer Wundstarrkrampf-Impfung kommen konnten. Die Gebrüder-Sinn-Sendung kam immer freitags. In der hier wiedergegebenen Folge ermuntert sie ihre Hörerinnen zu einer Schlank- heits- und/ oder Schönheitskur und weist auf einen Malwettbewerb der Fa. Sinn und dem "Helanca-Dienst" hin. Dabei nennt sie als Abgabetermin den 25. März, leider aber nicht das Jahr. Sicher erinnern sich ältere Saar-Nostalgie-Besucher an die vertraute Stimme von Hildegard Puth und an die Erkennungsmelodien.

 

 

Dieses Foto zeigt Hildegard Puth mit Ferdi Welter bei einer Modenschau von Autohaus Dechent und Kaufhaus Gebr. Sinn mit dem Titel "Mode und Auto".

 

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"Bummeln Sie mit? Sie meinen wohin? Endstation Gebr. Sinn" und "Lesieur gibt Auskunft" - Zum Anhören bitte klicken:

 

Gebr. Sinn (4 min.)

 

Lesieur-Öl  (3:11 min.)

 

Anmerkung: Es sind einige Nebengeräusche zu hören (z.B. Türenklappen und Flugzeuglärm), weil die Tonbandüberspielung nicht mit einem Verbindungskabel, sondern über ein Mikrofon erfolgte. - Wir sagen Sven Haarmann ganz herzlichen Dank für seine Neugier auf die Herkunft der gefundenen Aufnahmen und für die Mühe, die er sich mit der Bearbeitung gemacht hat.

 

Ernst Becker kannte Hildegard Puth persönlich aus der Wartburg und vom Halberg. Er sagt, sie sei eine gebürtige Luxemburgerin gewesen und beschreibt sie als zierliche und sehr liebenswerte Person.

Zu Weihnachten hat sie in einigen Jahren auf Anfrage Plätzchenrezepte mit guten Wünschen und ihrer Unterschrift an die Hörer verschickt (Bild links).

 

Rechts: Ausschnitt aus einem kürzlich bei ebay ersteigerten Brief von 1951 an ihre Privatadresse.

 

Die morgendliche Vorschau auf das Abendprogramm des saarländischen Fernsehsenders Telesaar wurde auf Radio Saarbrücken meist ebenfalls von Hildegard Puth vorgetragen.

 

Eine andere kurze Werbefunk-Sendung hieß "Dop und Döpchen"; es war eine Art Comic-Serie für Kinder und Erwachsene. Werner Wiedemann (Bild rechts) und ein kleiner Junge spielten kurze Szenen und machten dabei Werbung für ein damals auch im Saarland erhältliches französisches Haarwaschmittel, nämlich "Shampooing DOP" (Abb. links). Viele Jahre lang lief eine weitere Sendung ähnlicher Machart: Es war eine Serie der Radioreklame, die werktags immer gegen 18:40 Uhr auf Radio Saarbrücken zu hören war und in der für das Spülmittel Pril geworben wurde. Ihr Titel war "Pops tönende Abenteuer", und es ging um die berühmte Pril-Ente, die in den Sendungen einen Detektiv darstellte. In der dazu gehörigen Werbung wurde anhand einer echten Ente, die mit einer Prise Pril im Wasser unterging, die Sache mit dem "entspannten Wasser" erklärt. Zum Beginn der Sendung hörte man ein Türknarren, danach einige Schüsse und dann den eindringlichen, lang gezogenen Ruf der Ente: "Priiiil, Priiiil, Priiiil, Priiiil".

 

Eine der meist gehörten werktäglichen Sendungen im saarländischen Radio war über mehrere Jahrzehnte hinweg "Allerhand für Stadt und Land". Sie dauerte eine Stunde lang und gehörte ebenfalls zum Programm des Werbefunks. Sie lief von 1949 bis 1976 (27 Jahre lang!) über 7000 Mal, immer von 11 bis 12 Uhr.

 

Moderiert wurde sie von Gerdi und Fritz Weissenbach. Die Texte zu den Sendungen schrieb u.a. der saarländische Autor Gerhard Bungert.

 

Viele Einzelheiten über diese Sendung und die Weissenbachs selbst finden Sie auf unserer Extraseite 'Die Radio-Familie Fritz und Gerdi Weissenbach'.

(Foto : Landesarchiv Saarbrücken, Weissenbach-90)

 


 

 

7) Programmzeitschriften

 

Es gab zwei saarländische Programm- zeitschriften für Radio und Fernsehen. Eine von ihnen hieß bis zum 23.10.1951 "Tele Bild und Funk", dann wurde sie umbenannt in "TELE Bild mit Radio".

             

 

Sie erschien im Saarbrücker "West-Ost-Verlag". Nach der Rückgliederung 1957/59 wurde sie bald eingestellt, weil sie der Übermacht der zahlreichen Programmzeitschriften aus der Bundesrepublik nicht gewachsen war.  (Näheres dazu auf der Seite Tag X, ganz unten.)

 

            

Auch davor schon konnte man an den Kiosken im Saarland die großen deutschen Radio- und Fernseh-Zeitschriften wie Hören und Sehen und HÖR ZU! kaufen (siehe linkes Foto!).

Außer der TELE Bild gab es noch zwei andere saarländische Zeitschriften: "Zeit im Bild" und "ILLUS - Illustrierte des Saarlandes".

 

Foto, Hefte (und Teppichboden): Thomas Maus, Urexweiler

Die andere Programm-Zeitschrift

erschien von 1948 bis 1951

und trug den Namen

funkwoche

Mehr darüber in Kürze

an dieser Stelle

 

 

8) Hörerpost

 

 

Natürlich erhielt eine beliebte Rundfunkstation wie Radio Saarbrücken zahlreiche Hörerpost, wie z.B. diesen Brief (Poststempel vom 3.11.1949), mit dem eine Hörerin aus Nohfelden beim "Kreuzworträtsel-Spiel" mitmachen und gewinnen wollte. Die Anschrift "Nauwieserstraße" bezieht sich auf die Saarbrücker Wartburg, in der das Funkhaus des Senders untergebracht war.

 

Die verwendete Briefmarke ist die 15-Franken- Sondermarke "Universität des Saarlandes" aus dem Jahr 1949 (Michel-Nr. 264).

(Hier finden Sie mehr über die Saar-Marken.)

 

Der Scan dieses Briefumschlags wurde zur Verwendung auf dieser Homepage freundlicherweise zur Verfügung gestellt von www.philafriend1.de. Dort findet man philatelistische Belege aller Art.

 

 

9) Antwortkarten von Radio

 

Saarbrücken auf Hörberichte

 

 

Bei fast jeder Rundfunkstation der Welt freut man sich über technische Hörerpost, weil diese ihnen Hinweise auf die Reichweite und technische Qualität der eigenen Sendungen gibt. Viele Menschen haben es sich zum Hobby gemacht, Radiostationen aus aller Welt mit ihren Empfangsgeräten auf den Wellen zu suchen, zu identifizieren und dem betreffenden Sender Empfangs- berichte zu schreiben, mit Angaben über die empfangene Station, ihre Frequenz und Feldstärke sowie Details zur eigenen Empfangsausrüstung (Gerät, Antenne, usw.). Solche Wellenjäger oder "DXer" (DX = Distance unknown, meist verwendet für "große Entfernung")) schicken ihre Berichte nicht nur an Kurzwellenstationen, die man weltweit empfangen kann, sondern auch an Lang- und Mittelwellensender, die ebenfalls für Hörberichte dankbar sind. Als Bestätigung antworten die Rundfunkstationen meist mit vorgedruckten QSL- Karten, die eine Art Visitenkarte der Sender darstellen und von vielen Wellenjägern gesammelt werden. Es gibt auch Kurzwellenhörer-Clubs, in denen man seine Erfahrungen austauschen kann. Die größte bundesdeutsche Vereinigung ist die ADDX, die über die weltweit größte Sammlung von Rundfunk-QSL-Karten-Scans verfügt.

 

Auch Radio Saarbrücken hat solche Bestätigungskarten für Hörberichte verschickt. Zwei davon wurden uns freundlicherweise von der ADDX zur Verfügung gestellt.

 

Auf der oberen Karte stehen unter "THE SAAR" (schwach lesbar) die Worte "The coal land". Diese Karte stammt aus dem Jahr 1953. Die untere Karte ist 1957 versandt worden. (Abbildungen: ADDX-Bildarchiv, www.addx.de)  

 

 

 

 

Wer in diesem (wohl privaten) Verein Mitglied war, sparte bei den Reparaturkosten

seines Radios. (Zeitungsanzeige aus der Sammlung von Thomas Maus, Urexweiler)

 

 

 

 

10) Die Pausenzeichen der Saar-Sender

 

 

Zur Einführung: Früher sendeten die Rundfunkstationen nicht, wie heute zumeist, "pausenlos" 24 Stunden am Tag durch. So entstanden Sendepausen, meist in der Nacht zwischen 23 (oder 24) und 6 Uhr, oft aber auch am Vormittag z.B. von 9 bis 11 und am Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr. Der Hochfrequenzträger wurde dabei meist abgeschaltet, um Strom zu sparen; außerdem konnten in dieser Zeit die Sendeanlagen gewartet werden.

 

Einige Minuten vor dem erneuten Programmbeginn wurde der Sender wieder eingeschaltet, damit die Hörer ihr Radiogerät auf seine Frequenz einstellen konnten. Dazu sendete jede Station ihr eigenes Pausenzeichen (PZ) in Abständen von einigen Sekunden mehrmals hintereinander, bis das Programm begann. Auch kurz vor Beginn einer neuen Sendestunde hörte man oft das PZ, wenn die Sendung davor nicht ganz bis zum Ende der Stunde gedauert hatte. In späterer Zeit spielte man stattdessen (meist Instrumental-)Musik ab und blendete sie "kurz vor voll" aus.

 

Nach dem Sendeschluss ließ man den Hochfrequenzträger des Senders meist noch einige Minuten stehen und sendete dabei wiederum das Pausenzeichen. Heute hört man diese Tonfolgen nur noch ganz selten. Manche Kurzwellensender mit internationalem Programm (wie z.B. Radio Vatikan) spielen (bzw. spielten) oft während der gesamten Sendepause, also manchmal stundenlang, ihr PZ ab.

 

 

A) Das Pausenzeichen des Reichssenders Saarbrücken (1935 bis 1945)

   

bestand aus den ersten vier Tönen des Steigerliedes ("Glück auf, Glück auf"). Da aber gerade die Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 und der Anschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich Hitlers vollzogen worden waren, sollte das PZ wohl eher auf den neuen Text zu derselben Melodie erinnern, den H. M. Lux 1920 geschrieben hatte: "Deutsch ist die Saar" (siehe hier auf der Seite Namen, Flaggen, Wappen, Hymnen).

 

[1]

 

Leider gibt es keine Tonaufnahme von diesem PZ; es wurde damals wahrscheinlich auf einer Wachswalze gespeichert und abgespielt; Tonbandgeräte waren gerade erst entwickelt worden und deshalb noch sehr teuer und selten.

 

Noten und Text zum Reichssender-Pausenzeichen wurden kurz nach dem Anschluss der Saar an das Hitler-Reich für einige Zeit auch als Zudruck zu einem Saarbrücker Poststempel verwendet:

 

 

Interessant ist, dass das ab 1956 im 1. Programm des SR verwendete Pausenzeichen aus einem anderen Teil desselben Liedes bestand(siehe weiter unten in Abschnitt C); dabei wurde aber eher wieder auf den ursprünglichen Text des "Steigerlieds" angespielt.

 

---------------------------------

 

[1] Info und Bild aus: Alexander Schum. Der Saarländische Rundfunk. In: Das Saarland. Ein Beitrag zur Entwicklung des jüngsten Bundeslandes in Politik, Kultur, und Wirtschaft. Hgg. von Klaus Altmeyer, Jakon Szliska, Werner Veauthier, Peter Weiant. Verlag "Die Mitte" Saarbrücken, 1958. Seite 287.

 

 

B) Das Pausenzeichen von Radio Saarbrücken (1946 bis 1956)

 

war vom Ende der 40er-Jahre bis März 1956 die Melodie der ersten Zeile des bekannten alten Volkslieds "Kein schöner Land in dieser Zeit". Es wurde wahrscheinlich auf einer Celesta gespielt, einem Tasten-Instrument, das wie ein Glockenspiel oder ein Vibraphon klingt (siehe Bild unten). Es gibt Hinweise auf den möglichen Bearbeiter und die Aufnahme dieses PZ [1].

 

< So hörte sich das Pausenzeichen von Radio Saarbrücken von 1946 bis 1956 an.

 

Man kann vermuten, dass die Wahl gerade dieses Liedes als Pausenzeichen Ausdruck der Absichten der Landesregierung war, die anfangs weniger auf eine europäische Ausrichtung des Saarlandes als auf seine Autonomie gerichtet waren: "Kein schöner Land in dieser Zeit". [2]

 

Zur Erinnerung an die alte Volksweise hier ihr vollständiger Text :

 

(1) Kein schöner Land in dieser Zeit
als hier das uns´re weit und breit
wo wir uns finden
wohl unter Linden
zur Abendszeit

(2) Da haben wir so manche Stund´
gesessen da in froher Rund
Und taten singen
die Lieder klingen
im Eichengrund

(3) Daß wir uns hier in diesem Tal
noch treffen so viel hundertmal
Gott mag es schenken
Gott mag es lenken
er hat die Gnad

(4) Nun Brüder eine gute Nacht
der Herr im hohen Himmel wacht
in seiner Güte
uns zu behüten
ist Er bedacht

Eine Celesta [3]

 

 

C) Die Pausenzeichen des Saarländischen Rundfunks ab März 1956

 

bestanden aus der Melodie zur zweiten Zeile des Steigerlieds "Glück auf, der Steiger kommt". Der Text dieser Zeile lautete "... und er hat sein helles Licht bei der Nacht..." Damit wollte der SR wohl die Verbundenheit unseres Landes mit dem Bergbau herausstellen. (Den vollständigen Text dieses Liedes finden Sie hier.) Das PZ wurde bearbeitet von dem Komponisten Heinrich Konietzky [4] und zweistimmig auf zwei Hörnern, wahrscheinlich einem Wald- und einem Flügelhorn, eingespielt.

 

 < Das Steigerlied-Pausenzeichen des SR ab 1956 (bis in die 90er-Jahre)

 

Vom 11. März 1956 an wurde dieses PZ im ersten Hörfunk-Programm des Saarländischen Rundfunks eingesetzt. Gleichzeitigänderte man den bisherigen Stationsnamen "Radio Saarbrücken" in "Saarländischer Rundfunk - 1. Programm" um; ab 1964 lautete er "SR 1 - Europawelle Saar".

 

Dasselbe PZ wurde auch im 3. Hörfunkprogramm gespielt, das ab 1964 als "3. Programm" ausgestrahlt und am 7. Januar 1980 in "SR 3 Saarlandwelle" umbenannt wurde.

 

Es erklang auch im Deutschen Fernsehen der ARD und im 3. Fernsehprogramm Südwest 3 während der Umschaltpausen vor TV-Beiträgen des SR, sowie im SR-TV-Regionalprogramm und als Begleitton zum Stationsdia des SR. Nach 1986 wurde es nur noch sehr selten gespielt.

 

 

D) Pausenzeichen-Variante für das 2. Hörfunkprogramm des SR: Das 2. Programm von Radio Saarbrücken startete bereits 1953. Erst einige Jahre danach (wahrscheinlich 1956) erhielt es auch ein eigenes Pausenzeichen. Dessen Melodie war dieselbe wie diejenige des PZ für das 1. Programm, wurde aber mit anderen Instrumenten und etwas schneller gespielt:

 

  < Pausenzeichen des 2. Programms des SR (ab 1967 "Studiowelle Saar"). Instrumente: Querflöte und Klarinette (oder Fagott?).

 

 

E) Zwei bisher unbekannte (?) Pausenzeichen

 

2012 sind im SR-Archiv zwei weitere PZ entdeckt worden, die möglicherweise "Vorläufer" der ersten PZ waren:

 

< mögliches Pausenzeichen für Radio Saarbrücken von 1946 (?)  

< mögliches Pausenzeichen für Radio Saarbrücken von 1946/47 (?)

 

Das zweite PZ ist dem Hauptmotiv des Vorspiels zur Oper Tiefland von Eugen d'Albert entnommen, die nach der Erinnerung unseres Lesers Peter Annen seinerzeit sehr populär war und in den 60ern auch am damaligen Stadttheater in Saarbrücken aufgeführt wurde.

 

Alle bisher befragten "Radio-Kenner" kennen diese beiden PZ aber nicht. Deshalb fragen wir unsere Leser:

Haben Sie eines dieser beiden neu aufgetauchten Melodien irgendwann als PZ im Radio gehört? (>Kontakt)

______________________________

 

Weitere Infos über die Pausenzeichen des SR finden Sie auf folgenden Seiten der SR-Website:  Seite 1 Seite 2

______________________________

 

Fußnoten:

 

[1] Zur Entstehung des ersten Pausenzeichens von Radio Saarbrücken: François-Régis Bastide nahm Ende 1945 in Saarbrücken eine Stelle im Informationsbüro der französischen Militärregierung an und kümmerte sich unter anderem darum, für den Rundfunk wieder ein Sinfonieorchester aufzubauen (er beschrieb auch die Wartburg; siehe unsere Seite Wartburg unter B) im Abschnitt "Über die Qualitäten der Wartburg"). In seinem Roman "La Fantaisie du Voyageur" [Paris 1976; in der Übersetzung von Eugen Helmlé und Alfred Diwersy unter dem Titel "Wandererfantasie", Blieskastel 2006, findet sich die Textstelle auf S.179 f). Dort schreibt Bastide über seine Tätigkeit nach der Ankunft in Saarbrücken:

 

"Zuerst fing ich an, das Erkennungszeichen von Radio Saarbrücken auszuarbeiten. Ich glaubte, das sei ganz einfach. Eine Unterbrechung zwischen den Meldungen. Ich brauchte Wochen, um etwas zu finden, was zugleich Bergarbeiter- und Kohlenlied, Hoffnungslied, Frankreich und Sehnsucht nach Deutschland war, was zu vergessen ich mich hütete. Ich nahm alles selbst auf, die rechte Hand am Celesta, die linke am Klavier, und beim Mischen fügte ich noch einige Paukenschläge hinzu. Es machte mir sehr viel Spaß, ebenso dem Tontechniker, der noch nie so etwas gemacht hatte, er fand, dass es etwas zu modern sei. Da unsere saarländischen Programme sehr kurz waren, wurde jedesmal, wenn es nichts anderes gab, meine kleine Saarmusik gesendet. Es kam vor, dass ich sie mir zu Hause so lange anhörte, wie sie gespielt wurde. Dieses unbewegte Herunterleiern des immer gleichen gling glang gling bumm versetzte mich in die stupideste Extase, aber ich war glücklich."

 

Da Bastide Ende 1946 nach Saarbrücken kam, dürfte sich die von ihm geschilderte Episode 1946 oder 1947 abgespielt haben. Die Beschreibung des von ihm bearbeiteten Stücks passt aber nicht zu dem im ersten PZ verarbeiteten Lied "Kein schöner Land...", denn darin ist zwar eine Celesta zu hören, aber es gibt keine Paukenschläge, und es ist eigentlich auch kein "Bergarbeiter- und Kohlenlied". Als ein solches könnte man eher das PZ mit dem Beginn des Steigerlieds bezeichnen; aber dieses wurde erst etwa 1956 geschaffen (siehe oben unter C). Vielleicht spielte Bastide die Erinnerung einen Streich, als er über dieses Thema (erst 1976!) in seinen Roman schrieb. Oder er hat "phantasiert", wie es der Titel seines Werks ja auch andeutet.

 

[2] Siehe dazu Schmidt, Robert H. Saarpolitik 1945 - 1957. Band 2. Berlin, 1960. Im Vorwort, Seite VII.

 

[3] Das Foto zeigt eine Celesta, die der Stetson University gehört. Fotograf Gregory Maxwell. Lizenziert unter der GNU-Lizenz (siehe dazu auf der Seite Kontakt unter Rechtliche Hinweise, 2c).

 

[4] Siehe SR-Info 2/2012, Seite 30.  

 

 

 

11) Das Emblem von Radio Saarbrücken

 

Das Emblem (oder Logo) von Radio Saarbrücken wurde z.B. auf Fahrzeugen, Briefbögen oder Werbeträgern verwendet. Es existierte in verschiedenen Ausführungen, in weißer Schrift auf dunklem Hintergrund oder umgekehrt, selten auch farbig wie hier im ersten und im letzten Bild.

 

 

Das obige Logo wurde einem alten Briefkopf des Senders entnommen. Es hat fünf "Funkwellenkreise", die in dieser Ausführung teilweise beschnitten sind.

 

 

Dies war eine Plakattafel, die in der Nähe eines Veranstaltungsorts aufgestellt war. Hier sind die fünf Wellenkreise fast ganz zu sehen.

 

 

 

 

Oben: Diese Studie des Emblems wurde 2007 von Günter Hesler, Graveurmeister i.R., Wiebelskirchen, nachempfunden.

 

Das Emblem oben links war auf einem Übertragungswagen von Radio Saarbrücken angebracht. Es hat nur vier Wellenkreise.

 

Dagegen hat das Logo links sogar acht (Halb-)kreise. Es war auf der Bestätigungskarte des Senders für Empfangsberichte (QSL-Karten) abgebildet (s. oben, Abschnitt 6b).

 

 

 

Das Emblem mit Eindruck "Radio Sarrebruck" stammt aus einer Werbeanzeige in einer französischen Zeitschrift von 1950; der untere Teil des Emblems ist durch ein Foto abgedeckt.

Bild rechts: Emblem mit Saar-Wappen und "SR" für 'Saarländischer Rundfunk GmbH' und sieben Halbkreisen.

 

 

Emblem auf dem Jubiläumsteller (siehe hier)

 


 

 

12) Die Übertragungs- und Reportagewagen  

 

 

  

 

Alle bisher bekannten Ü-Wagen und Reportagenwagen aus den ersten Jahrzehnten des Saar- Rundfunks, darunter Fahrzeuge der Marken DeSoto, Peugeot und Renault, zeigen wir auf unserer Extra-Seite:

 

Siehe > Reporter und Übertragungswagen.

 

Außerdem stellen wir dort einige Reporter der damaligen Zeit vor (Charly Scholz, Wilhelm Diederich usw.).

 

 


      

 

13) Das "Gute-Nacht-Lied" von Radio Saarbrücken

 

 

wurde jeden Abend zum Sendeschluss gespielt, berichtet Alfred Schmidt († 2015) aus Scheidt. Es wurde gesungen von der hervorragenden Koloratursängerin Irene Abs, die u. a. auch im Stadttheater Saarbrücken auftrat und dort z. B. die Königin der Nacht gesungen hatte, und einem kleinen Chor, in dem auch Alfred Schmidt mitsang. Bei der Aufnahme des Liedes in der Wartburg oblag Dr. Rudolf Michl die musikalische Leitung. Nach einiger Zeit war das Tonband so schlecht geworden, dass es fast nicht mehr gespielt werden konnte. Daraufhin nahm Rudolf Michl das Stück mit derselben Besetzung noch einmal auf. Es ist aber heute leider verschollen, auch im SR-Archiv gibt es leider keine Aufnahme mehr davon. Irene Abs musste aus gesundheitlichen Gründen früh von der Bühne abtreten.

  

Noten und Text waren erschienen bei der Edition Schneider, St. Ingbert.

Hier der Text laut Notenblatt:

  

Gute Nacht, gute Nacht

allen Müden sei's gebracht.

Neigt der Tag sich still zu Ende

ruhen alle fleiß'gen Hände

bis der Morgen neu erwacht.

  

Geh zur Ruh, geh zur Ruh,

schließ die müden Augen zu.

Wem die Sorge raubt den Frieden

sei ein schöner Traum beschieden.

Schlummert bis der Tag erwacht!

  

Im Notenblatt ist zwar vermerkt "Dichter unbekannt", aber der Text ähnelt stark dem eines Liedes aus dem Jahr 1815 mit dem Titel "Gute Nacht allen Müden" (siehe rechts). Die erste Strophe hat genau denselben Text, die zweite enthält Teile aus den übrigen drei Strophen des alten Liedes.

 

Als Dichter dieser alten Fassung werden verschiedene Autoren genannt: Otto (oder Ludwig) Körner, (geb. 1791) und Jakob Lorber (1800 bis 1864).

Hier der Text des Liedes aus

 

Gute Nacht!
Allen Müden sei's gebracht!
Neigt der Tag sich still zum Ende,
Ruhen alle fleiß'gen Hände,
Bis der Morgen neu erwacht.
Gute Nacht!


Geht zur Ruh!
Schließt die müden Augen zu!
Stiller wird es auf den Straßen,
Und den Wächter hört man blasen,

Und die Nacht ruft allen zu:

Geht zur Ruh!

dem neunzehnten Jahrhundert:

 

Schlummert süß!
Träumt euch euer Paradies!
Wem die Liebe raubt den Frieden,
Sei ein schöner Traum beschieden,
Als ob Liebchen ihn begrüß.
Schlummer süß!


Gute Nacht!
Schlummert, bis der Tag erwacht,
Schlummert, bis der neue Morgen
Kommt mit Seinen neuen Sorgen,
Ohne Furcht, der Vater wacht!
Gute Nacht!

 

 

 

Thomas Maus aus Urexweiler hat die unten abgebildeten Noten in ein Programm eingegeben, das daraus eine midi-Datei mit der Melodie des Gute-Nacht-Lieds produzierte. Diese können Sie sich anhören, wenn Sie hier klicken:

 

 

 

 


 

 

14) Jubiläumsteller von 1985

 

 

 

 

 

Diesen Jubiläumsteller hat der Saarländische Künstler Horst Rehm1985 entworfen.

 

Er wurde von Heinrich Porzellan/Villeroy & Boch für den SR in einer limitierten Auflage von 2000 Stück gefertigt und eine Zeit lang bei SR am Markt verkauft.

 

Mehr über Horst Rehm gibt es demnächst auf Saar-Nostalgie.de im Kapitel Produkte und Werbung.

 

 


 

 

 

15) Verschiedene Ereignisse

 

 

a) 1949 in Rohrbach: Werbung fürs Radiohören

 

 

 

 

Bei dem Festumzug "100 Jahre selbständige (sic!) Gemeinde Rohrbach" am 4. September 1949 fuhr dieser Wagen mit und machte Reklame für JOBA-Radios (siehe Seite Radiogeräte). Der Chef der Firma, Josef Bayer, sitzt im linken Foto auf der Ladefläche (mit Sonnenbrille und weißem Hemd). Die Aufschriften auf dem Wagen lauten: Bilder links und unten: "Radio hören... heißt doppelt leben." -- "Mit Lip ist es genau ... 15 Uhr!" (Lip war eine französische Uhrenmarke, für die mit diesen Worten eine Zeitlang bei der Zeitansage Werbung gemacht wurde.) -- "Versuch dein Glück" / "Der runde Tisch" / "Die Saarlandbrille" (Namen von drei beliebten Sendungen von Radio Saarbrücken). Rechtes Bild: "Früher: Radiohören ein Sport - Heute: ohne Radio? - ein Leben auf dem Mond." (Damals lag der Beginn regelmäßiger Rundfunksendungen in Deutschland gerade erst etwa 25 Jahre zurück!).  Fotos: Karl Abel, Rohrbach.

 

 

 

b) Auf Biegen und Brechen

 

hieß eine Ringsendung, die als Wettbewerb zwischen mehreren Radiosendern ausgetragen wurde. Lesen Sie mehr darüber in dem Zeitschriftenausschnitt unten.

 

Das Foto zeigt einige der Mitarbeiter von Radio Saarbrücken bei dieser Sendung:

 

Links im Bild (mit der Brille) Emil Zalud, er war

sehr wahrscheinlich der verantwortliche Redakteur. Daneben der damalige Abteilungsleiter Unterhaltung Walter Fourmann, am Magnetophonbandgerät die damals bei Radio Saarbrücken als Cutterin beschäftigte Irma Müller. Ganz rechts schaut mit der Nasenspitze Alfred Zerndt als Leiter vom Dienst ins Bild. Dahinter sehen wir den Toningenieur Ernst Becker und ganz im Hintergrund den Aufsichts-Ingenieur Erich Engel (er war schon bei der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft tätig).

 

Zeitschriftenausschnitt und Personenbestimmung: Ernst Becker, Heckendalheim

Wir erhielten 2014 eine Mitteilung von Carsten D. Brinck zu diesem Foto: Die Magnetophonband-Aufzeichnungsmaschine im Vordergrund des Bildes müsste eine AEG T9 von 1949 sein. Der damalige Toningenieur Ernst Becker erinnert sich aber, dass bei Radio Saarbrücken und später beim SR nicht die T9, sondern die ähnlich aussehende AEG Telefunken M5 (gebaut ab 1954) verwendet wurde, später auch die M10 (ab 1960) und nach 1970 die M15.

Auf http://www.tonbandmuseum.info/aeg-t9.html gibt es Bilder dieser Maschinen zu sehen.

 

 

Weitere Mitarbeiter, die an der Sendung teilnahmen, v.l.: Theo Schulte, Werner Wiedemann, Wolfgang Schenck, Annemarie Burger, Carla Best, Ingeborg Thomas, Margot Schönberger, Gerd Güth, Fred Braun. Foto: Gerd Güth

 

 

Hinweis: Auf unserer Seite Rundfunkgeschichte gibt es noch mehr über den saarländischen Radiosender zu sehen und zu lesen.

Unter anderem finden Sie dort Briefausschnitte mit Freistempeln von Radio Saarbrücken bzw. vom SR.

 

 


 

 

16) Interessanter und manchmal amüsanter Briefwechsel

 

 

       zwischen Johannes Hoffmann und Radio Saarbrücken

 

            (Hervorhebungen durch Fettdruck wurden von Saar-Nostalgie vorgenommen.)

 

 

a) 1949 Joh. Hoffmann regt sich über eine Werbung am Pfingstsonntag auf:

 

Der Generaldirektor von Radio Saarbrücken schreibt am 8. Juni 1949 an Johannes Hoffmann:

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

 

Ich sehe mich veranlasst, Sie von einem Vorfall in Kenntnis zu setzen, der sich am vergangenen Sonntag (Pfingstsonntag) ereignet hat.

 

Um 20:02 Uhr rief ein Unbekannter den diensttuenden Leiter vom Dienst an und gab sich für den Herrn Ministerpräsident aus. Es ist mir tatsächlich etwas peinlich, Ihnen den wortgetreuen Inhalt seines Anrufes wiedergeben zu müssen, denn er bediente sich gewisser Ausdrücke, die ein zivilisierter Mensch in seinem Wortschatz nicht besitzen oder zumindest nicht anwenden sollte.

 

Nachstehend der Wortlaut des Anrufs: "Hier der Ministerpräsident. Wer ist bei Radio Saarbrücken für die Reklame verantwortlich?"

 

Darauf der Leiter vom Dienst: "Das ist eine Verwaltungsangelegenheit, für die der Herr Generaldirektor zuständig ist."

 

Der Anrufer: "Das ist ein Scheißdreck! Wie kommen Sie dazu, an einem hohen Feiertag eine solche Reklame in Ihr Programm aufzunehmen! Wenn ihr Generaldirektor nichts anderes fertig bringt, dann soll er seinen Laden zumachen!"

 

Diese Unterredung hat sich leider im Hause herumgesprochen und konnte leider nur ein schlechtes Licht auf Ihre hochgeschätzte Persönlichkeit werfen. Ich fühlte mich daher verpflichtet, diesen äußerst unangebrachten Scherz aufzudecken und zu erklären, dass der Wortlaut dieses Anrufes allein klar und deutlich durchblicken lässt, dass es sich lediglich um einen bedauerlichen Missbrauch Ihres Namens handelte.

Der Anruf erscheint im Übrigen von vornherein unbegründet, da es sich um die Forville-Reklame-Durchsage des Namenstages um 19:59 Uhr handelte, denn erstens erfolgte diese Reklame in vollkommen dezenter Weise - und zwar wurden nach der Jupiter-Sinfonie vier Pausezeichen gegeben, um die Reklame von der vorhergehenden Sendung ordnungsgemäß zu trennen - und zweitens beruht die in Frage kommende Reklame auf einem auf lange Sicht abgeschlossenen Vertrage, der natürlich auch an Feiertagen eingehalten werden muss.

 

Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung!

Losson, Generaldirektor.

 

Antwort des Ministerpräsidenten:

 

Sehr geehrter Herr Generaldirektor!

 

Ich wundere mich über die Naivität Ihres Schreibens vom 8. ds. Mts. Wenn Sie sich noch hinter peinlichen Gefühlen verstecken wollen, um den "wortgetreuen Inhalt" meines Anrufes wiederzugeben, so kann ich darüber nur lachen. Belehrungen von Ihnen, welcher Ausdrücke sich ein zivilisierter Mensch zu bedienen hat, muss ich zurückweisen. Der Ausdruck, den ich für diese schmutzige Geschäftsreklame gebraucht habe, trifft die Sache haargenau.

 

Der Anrufer war ich tatsächlich selbst, und ich glaube nicht, dass Sie das ehrlich bezweifelt haben. Nur hat sich die Unterredung nicht so abgespielt, wie Sie sie in Ihrem Schreiben wiedergeben.

 

Ihr Schreiben beweist mir, dass Sie gar kein Gefühl für die Beleidigung haben, die in der schmutzigen Reklame, die ich nicht allein, sondern die gesamte Bevölkerung ablehnt, zum Ausdruck kommt. Es hat gar keinen Zweck, sich weiter darüber mit Ihnen zu unterhalten. Die Proteste gegen die Geschmacklosigkeit und Unverschämtheit türmen sich bei mir zu Bergen. Ich habe deshalb am vergangenen Sonntag zum ersten Mal Gelegenheit genommen, selbst einen persönlichen Eindruck zu erhalten und kann die Empörung, die in der christlichen Bevölkerung des Saarlandes über diesen Missbrauch der Heiligenlegende zu Reklamezwecken herrscht, nicht nur verstehen, sondern teile sie. Und das hat mich zu meinem Anruf veranlasst, der natürlich entsprechend scharf war, aber von dem Dienstleiter offenbar genauso unlogisch und verzerrt Ihnen wiedergegeben wurde, wie manche Leistungen des Radios bei anderen Berichterstattungen.

 

Ich schäme mich, es überhaupt nötig zu haben, dem Generaldirektor des saarländischen Rundfunks erst die Geschmacklosigkeit und Widerwärtigkeit dieser Reklame auseinandersetzen zu müssen. Wenn diese Reklame nicht bald abgestoppt wird, werden Sie einen Sturm im Saarland erleben, der Ihnen Hören und Sehen vergehen lässt.

 

Hochachtungsvoll, Johannes Hoffmann                                                                    Quelle für diese Schreiben: Landesarchiv Saarbrücken, StV 2025   

 

Anmerkung: Leider wissen wir nicht genau, was JoHo und die von ihm als Mit-Protestierende genannten Hörer an dieser Reklame so empört haben könnte (vielleicht war es nur die Tatsache, dass am Pfingstsonntag überhaupt Werbung gesendet wurde?). Nach dem Text seines Briefes müsste die kirchliche Bedeutung des Pfingstfests in irgendeiner Weise mit den FORVIL-Produkten in Zusammenhang gebracht worden sein. Dies veranlasste JoHo wohl zu der Formulierung "Missbrauch der Heiligenlegende zu Reklamezwecken".

Hinweis: Die französische Firma FORVIL war aus der Firma FORVAL hervorgegangen und stellte damals u.a. Haarwaschmittel und parfümierte Brillantine her (heute würde man sagen: Haarfestiger oder Gel). (Danke an Jan Müller für die Info über die Firma!).

 


 

 

b) 1948: JoHo beschwert sich bei Radio Saarbrücken über "Zotereien" im Radio 

 

a) Ein empörter Radiohörer, Franz XXX, Regierungsrat,

    schreibt an JoHo am 12. 1.1948:

 

Betrifft: Nachrichtensendung des Rundfunks Saarbrücken vom 12. Januar 1947, 3/4 7 Uhr.

 

Der Rundfunk Saarbrücken brachte heute früh in den Frühnachrichten eine Meldung, in der die Stellungnahme eines katholischen Bischofs in England über die Ansicht der katholischen Kirche in der Frage von Schutzmitteln im ehelichen Geschlechtsverkehr behandelt worden ist. Zu dieser Zeit haben meine Frau und meine beiden schulpflichtigen Jungen im Alter von 13 und 11 Jahren mitgehört. Mein ältester Junge von 13 Jahren hat sofort an mich die Frage gerichtet, wie er das verstehen solle. Meine Frau wurde vom Schamgefühl erfasst und hat das Zimmer verlassen. Sie war jedenfalls über diese Durchsage empört, zumal wir gerade dabei sind, unsere Kinder auf anständige Art aufzuklären, es aber nicht dulden können, dass eine weitere damit zusammenhängende Frage in diesem Alter mit ihnen erörtert wird.

 

Ich erhebe gegen diese Durchsage den schärfsten Protest und bitte, sich über den genauen Wortlaut der Durchsage zu unterrichten.

 

XXX, Regierungsrat.

__________________________________________________________

 

b) Joho schreibt an Generaldirektor Losson am 12 Januar 1948:

 

Wie mir mitgeteilt wird, brachte der Rundfunk Saarbrücken heute früh in den Nachrichten - 6.45 Uhr - eine Meldung, in der die Stellungnahme eines katholischen Bischofs in England über die Ansicht der katholischen Kirche in der Anwendung von Schutzmitteln im ehelichen Geschlechtsverkehr behandelt wurde.

 

Von Hörern dieser Sendung werden mir Proteste entrüstet zugesandt. Ebenso mehren sich ständig die Klagen darüber, dass gewisse Herren den Rundfunk anscheinend dazu benutzen, mit Hilfe von Zotereien billige Effekthascherei zu betreiben.

 

Über alle diese Dinge wird demnächst - und hoffentlich sehr bald - im Verwaltungsrat deutlich gesprochen werden. Ich bitte Sie, schon jetzt mir den genauen Wortlaut der Meldung des heutigen Frühachrichtendienstes, die ich eben charakterisierte, zu übermitteln, damit ich mir selbst ein Bild machen kann.

 

An der berechtigten Entrüstung der Zeugen, die diese Sendung hörten, zu zweifeln, habe ich keinen Anlass.

 

Mit vorzüglicher Hochachtung, Hoffmann.

 

 

c) Der Generaldirektor antwortet Joho am 13.1.48:

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

 

Ich bestätige hiermit den Erhalt ihres werten Schreibens vom 11.1.48. Was die Meldung über die Äußerungen eines katholischen Bischofs von England angeht, so ist dies eine alte Geschichte, von der sämtliche Zeitungen schon gesprochen haben und an die Sie sich selbst vielleicht erinnern.

 

Ein englischer Ehegatte hat sich an das englische Oberhaus gewandt, um seine Ehe für ungültig erklären zu lassen mit der Begründung, dass seine Frau es ablehne, Kinder zu gebären. Dieser Antrag wurde vom Oberhaus abgelehnt mit der Begründung, dass der eigentliche Zweck der Ehe nicht die Erzeugung von Kindern sei, sondern das Zusammenleben der Eheleute. Daraufhin wandte sich der unglückliche Ehemann an das katholische Episkopat von England, und die Nachricht, die wir am 12.1.48 durchgegeben haben, ist die Antwort des Kardinal GRIFFIN, des katholischen Bischofs von Westminster. Die Meldung lautet folgendermaßen:

 

 

London: Kardinal Griffin, der katholische Bischof von Westminster, beantwortet in einer Rede die vom englischen Oberhaus gestellte Frage, ob eine Ehe nichtig erklärt werden dürfte, weil der Ehegatte beim ehelichen Verkehr Schutzmittel benutzt hatte. Der Kardinal erklärte, dass die Zeugung von Kindern und deren Erziehung das erste Ziel der Ehe sei. Nach katholischer Auffassung sei eine Ehe nicht beendet, wenn in den gegenseitigen Beziehungen von einem ungewöhnlichen Verhalten die Rede ist. Nur wenn die Ehegatten die Erfüllung ihrer Pflichten ablehnen, kann eine Ehe als nichtig erklärt werden. Es ist sehr schwer zu beweisen, dass eine Ehe nicht vollendet ist, weil Schutzmittel benutzt wurden. In dem Fall, in dem das Oberhaus eine Entscheidung zu treffen hatte, stand die Erfüllung der Ehe sowohl vom physischen als auch vom moralischen Standpunkt aus in Frage.

 

Vor allem aber hat die Kirche niemals das Recht des Staates, die Ehe zu scheiden oder zu annullieren, anerkannt.

 

Von meinem Standpunkt aus kann ich die Empörung unserer Hörer von Radio Saarbrücken kaum verstehen. Es handelt sich hier sicher nicht um eine Meldung über eine schmutzige Angelegenheit, sondern vielmehr um eine Stellungnahme des höchsten katholischen Geistlichen in England gegenüber einem moralischen Problem.

 

Lesen Sie in der Spalte rechts die Antwort des Generaldirektors!

Quelle für diese Schreiben: Landesarchiv Saarbrücken, StV 2025

 


 

 

c) 1951: Joho wünscht tägliches Ave Maria zum Programmbeginn

von Radio Saarbrücken:

 

Es folgt ein Schreiben des Generaldirektors von Radio Saarbrücken (es müsste Gérard Losson gewesen sein) vom 5.11.1951, der sich auf einen besonderen Programmvorschlag für den Sender bezieht. Er kam von Johannes Hoffmann, der ja ein gläubiger Christ katholischen Glaubens war.

 

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Sehr verehrter Herr Ministerpräsident!

 

Herr Generaldirektor Schlachter hat mir zur Kenntnis gebracht, dass Sie den Wunsch ausgesprochen haben, Radio Saarbrücken möge jeden Abend seine Sendungen mit einem Ave Maria beginnen.

 

Ich bin gerne bereit, diesem Vorschlag zu entsprechen, obwohl mir von Seiten meiner Programmdirektion vorausgesagt wird, dass eine derartige Neuerung in evangelischen Kreisen unerfreuliche Reaktionen hervorrufen würde.

 

Wir sind nun daran, eine Anzahl von Melodien zu sammeln, da es ja nicht möglich wäre, jeden Abend dieselbe zu spielen und werden ab Montag, den 12.11.51 um 17.40 Uhr mit dem von Ihnen gewünschten Auftakt des Abendprogramms beginnen.

 

Genehmigen, Sie, Herr Ministerpräsident, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung!

 

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Zur Erläuterung: Zu dieser Zeit gab es bei Radio Saarbrücken nachmittags noch eine Sendepause, die z.B. im November 1951 jeweils um 17:40 Uhr endete. JoHos Wunsch wurde erfüllt: Kurz nach dem Eingang seines Schreibens begann der Sender damit, nach der Pause ein Ave Maria zu senden.

 

Aber damit nicht genug: Um 17:55 wurde später auf seinen Wunsch hin jeden Werktag ein Angelus-Läuten eingespielt (siehe oben auf dieser Seite, Abschnitt 2 in der Programmvorschau vom 25. Juli 1955).

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e) 1948: Sprache des Senders - Deutsch oder

Französisch?                      27. Dezember 1948

 

Joho schreibt an die Direktion von Radio Saarbrücken


Sie haben mir ihre Weihnachts- und Neujahrswünsche zwar in deutscher Sprache, aber auf einem Briefbogen mit französischem Vordruck übermittelt.

 

Ich wäre dankbar, von Ihnen zu erfahren, ob Sie nur französische oder auch deutsche besitzen, da ich mir schlecht vorstellen kann, dass Radio Saarbrücken sich immer in französischer Sprache an die Saarländer wenden wird.

 
Mit vorzüglichen Grüßen


Johannes Hoffmann

 

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f) 1948: SPS klagt über missverständliche Bericht- erstattung:

 

Die SPS-Landtagsfraktion schreibt an Joho am 7.1.1948:

 

Landtagsgebäude Saarbrücken

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

 

Die Landtagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei Saar gibt sich die Ehre, Ihnen, Herr Ministerpräsident, folgendes vorzutragen:

 

In letzter Zeit konnte wiederholt festgestellt werden, dass durch das Radio Saarbrücken Sendungen von hochpolitischer Bedeutung bekannt gegeben worden sind, die entweder unklar oder gar sinnentstellt waren. Diese Meldungen führen nicht nur in den Kreisen der Saarbevölkerung zu Missverständnissen und unliebsamen Diskussionen, sondern sind auch dazu angetan, im Ausland völlig unrichtige und irreführende Pressemeldungen auszulösen.

 

Wir erlauben uns hierbei an die jüngsten sinnentstellenden Radiomeldungen über die äußerst wichtigen Verhandlungen in Paris und die damit verbundene Ernennung des Herrn Gouverneur Grandval zum Hohen Kommissar zu erinnern, die Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, zur sofortigen Berichtigung am Radio Saarbrücken Veranlassung gaben. Laut unseren Feststellungen handelt es sich bei dem betreffenden Sprecher um einen Herrn Ullmann.

 

Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, Herr Ministerpräsident, dass auch Sie von der Notwendigkeit überzeugt sind, einen solchen Sprecher umgehend von seiner Funktion zu suspendieren. 

 

Genehmigen Sie, Herr Ministerpräsident, den Ausdruck unserer vorzüglichsten Hochachtung.

 

Joho schreibt deshalb an Generaldirektor Losson am 11.1.48:

 

Was die Kommentierung unserer Pariser Besprechung durch Radio Saarbrücken angeht, so scheint es mir doch, dass die Information des Rundfunks über diese Dinge in der Bevölkerung ein falsches Bild der Beurteilung geschaffen hat. Das geht u.a. auch daraus hervor, dass die Fraktion des Landtags der Sozialdemokratischen Partei mir ihren einstimmigen Beschluss mitgeteilt hat, wonach sie die sofortige Abberufung des Herrn Ullmann mit diesen Radiomeldungen über die Pariser Besprechungen begründet. Ich lasse Ihnen eine Abschrift des Schreibens zu Ihrer Information als Anlage zugehen.

 

Grundsätzlich vertrete ich die Meinung, dass in einer so politisch wichtigen Frage der Rundfunk ruhig im Interesse einer richtigen Berichterstattung auf eine überstürzte zeitliche Aktualität verzichten sollte.

 

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d) 1952: Immer wieder Schalt-Pannen im Radio wegen schlampiger Arbeit beim Post-Verstärkeramt

 

Der Generaldirektor von Radio Saarbrücken schreibt an JoHo am 9.1.1952:

 

Betr.: Rundfunk-Verstärkeramt bei der Post- und Telegrafenverwaltung des Saarlandes

 

Sehr verehrter Herr Ministerpräsident!

 

In einem bis jetzt unbeantworteten Schreiben vom 16.6.51 hatte ich die Ehre, Ihnen die Missstände darzulegen, die sich für Radio Saarbrücken aus der Beibehaltung des Rundfunk-Verstärkeramtes bei der saarländischen Post und Telegrafenverwaltung ergaben. Mit Rücksicht auf die Tatsache, dass dieses Verstärkeramt der Rundfunkverwaltung unnötige Kosten auferlegte und nur eine zusätzliche Störungsquelle darstellte, bat ich Sie, bei sämtlichen inländischen Übertragungen das Verstärkeramt auszustellen.

 

Ein erneuter Vorfall zwingt mich, auf diesen Antrag zurückzukommen mit der dringenden Bitte, ihm so bald wie möglich stattzugeben. Ich hatte schon einmal Gelegenheit, Ihnen mündlich darüber zu berichten, dass während der Saardebatte im Bundeshaus am 31.5.1951 durch eine Fehlschaltung im Verstärkeramt eine Erklärung von Bundeskanzler Dr. Adenauer über die Antenne von Radio Saarbrücken ging. Ein ähnliches Missgeschick ereignete sich am Sonntag, den 6.1.1952, wo eine erneute Fehlschaltung zur Folge hatte, dass zwei Sportreportagen - die eine vom Kieselhumes, die andere vom Ellenfeld - miteinander verwechselt wurden, wodurch in der Hörerschaft selbstverständlich die größte Verwirrung entstand.

 

Die saarländische Rundfunkverwaltung ist nicht gewillt, von der Öffentlichkeit die Verantwortung dieser fahrlässigen Arbeitsweise, auf die sie nicht den geringsten Einfluss hat, zu tragen. Sollten sich ähnliche Vorfälle in der nächsten Zeit wiederholen, so würde ich veranlassen, dass den Hörern genau auseinandergesetzt wird, wo der Fehler solcher Störungen zu suchen ist.

 

Genehmigen Sie mir, sehr verehrter Herr Ministerpräsident, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung!

_______________________________________________________________

(Lesen Sie bitte oben in der rechten Spalte weiter!)

Quelle für diese Schreiben: Landesarchiv Saarbrücken, StV 2025


 

 

17) Radio Saarbrücken und die Volksbefragung 1955

 a) Die Heimatbundparteien planten, am Abstimmungstag die Programmkabel zwischen

 

     Funkhaus Saarbrücken und Sender Heusweiler zu kappen.

 

Der Ausgang der Volksbefragung über das Saarstatut war bis zur Auszählung der Stimmen völlig offen. Es gab ja damals noch keine Prognosen und auch keine Hochrechnungen. Für den Fall, dass eine der beiden Seiten einen klaren Sieg davontragen würde, wurden keine größeren Komplikationen bei der Bekanntgabe der Ergebnisse erwartet. Aber wenn das Ergebnis sehr knapp ausfallen würde, z. B. 52 % Nein und 48% Ja (oder umgekehrt), wurde befürchtet, dass es möglicherweise zu einer unübersichtlichen Lage kommen könnte. Es hätte Demonstrationen und Krawalle geben können. Diese Bedenken bestanden offenbar auf beiden Seiten. Im Keller der französischen Botschaft soll eine komplette Kompanie der französischen Gendarmerie in Bereitschaft gestanden haben, um bei eventuellen Unruhen einzugreifen.

 

Die Heimatbundparteien hatten dagegen etwas anderes vorbereitet. Im Falle eines knappen Ergebnisses wollte man das Zuspielkabel für das Programm von Radio Saarbrücken sprengen. Dieses war durch den Wald zwischen Saarbrücken und Riegelsberg entlang der Straßenbahnschienen bis Heusweiler verlegt. Danach sollte direkt am Sender mit Hilfe von eingeweihten Technikern und Sprechern ein Notprogramm mit Schallplattenmusik und neutraler Berichterstattung ausgestrahlt werden. Die Vorbereitungen zu dem Coup waren schon getroffen, das Bohrloch gegraben und das nötige Personal am oder in der Nähe des Senders postiert. Das Ganze wurde sehr diskret vorbereitet, nicht einmal die Vorsitzenden der deutschfreundlichen Parteien waren informiert, weil man Angst hatte, dass sie sich in der hitzigen Atmosphäre des Abstimmungskampfs verplappern könnten.

 

Da das Ergebnis aber sehr eindeutig ausfiel und Joho unmittelbar nach der Bekanntgabe zurücktrat, konnte der gesamte Plan fallen gelassen werden, und alles lief den bekannten ruhigen Gang.

 

(Infos zu diesem Text stammen u.a. aus dem Buch: Gerhard Franz: Der Sieg der Neinsager. Saarbrücken 2005.)   

 

 

b) 23.10.1955: Was geschah am Abend der Volksbefragung (und danach) im Radio?

 

Radio Saarbrücken gab die Ergebnisse der Stimmenauszählung bekannt, und fast alle saarländischen Familien verfolgten diese Sendung mit Hochspannung. W.Reinert erzählt darüber in seinem Roman "Der Dicke muss weg" auf Seite 199:

 

"... wurde die Sendung unterbochen. »Achtung, Achtung. Hier ist der Wahlsonderdienst. Wir bringen Wahlergebnisse.« Der Sprecher von Radio Saarbrücken begann seine Durchsage. (...) Jetzt drang die Nachricht in alle Häuser: Das Statut ist abgelehnt."

 

Die Ansager verlasen zunächst die Ergebnisse aus den kleineren Gemeinden, zum Schluss folgten die Städte. Etwa gegen 1 Uhr stand das vorläufige Endergebnis fest (siehe Seite Ergebnisse!)

 

In den Nachrichten wurde noch in der Nacht verkündet, dass Johannes Hoffmann als Reaktion auf die Ablehnung des Saarstatuts mit sofortiger Wirkung als Ministerpräsident zurückgetreten war. Kurz danach wurde im Radio bekannt gegeben, dass am darauffolgenden Montag an allen saarländischen Schulen schulfrei sei.

 

Nach der Volksbefragung wurde das Programm von Radio Saarbrücken von heute auf morgen teilweise geändert. So entfiel z. B. unmittelbar nach dem Abstimmungstag plötzlich und ohne Ankündigung die überaus beliebte allsonntägliche "Saarlandbrille". Der Grund lag darin, dass auch in der Saarlandbrille politisiert worden war, und jetzt, nach der Ablehnung des Saarstatuts, war die Grundlage für die bisherigen Sticheleien gegen die Neinsager nicht mehr vorhanden, und man antwortete - mit Schweigen. Die meisten anderen Sendungen blieben jedoch weiter im Programm, so auch die Stimme des Tages, Schulfunk- und kirchliche Sendungen, der "Bunte Teller", die Hörspiele oder auch "Allerhand für Stadt und Land".

 

Mehr über die Folgen der Volksbefragung 1955 lesen Sie hier.

 


 

Quellen und weitere Literaturangaben:

 

Clemens Zimmermann/Rainer Hudemann/Michael Kuderna (Hrsg.). Medienlandschaft Saar von 1945 bis in die Gegenwart. Band 1 bis 3. München 2010.

 

Fritz Raff, Axel Buchholz, Hrsg.: Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar - 50 Jahre Saarländischer Rundfunk. Freiburg, Basel, Wien 2007. In dieser hervorragenden Chronik des Rundfunks an der Saar finden sich unzählige Fakten und Geschichten über das Saar-Radio von den Anfängen bis 2007 sowie zahlreiche Fotos und Abbildungen aus diesem Zeitraum.

 

Saarländischer Rundfunk, Hrsg. Unser Sender an der Saar. 50 Jahre Rundfunk im Saarland. Text: Hans Bünte. Saarbrücken 1985.

 

Klaus Altmeyer. 25 Jahre Saarländischer Rundfunk - Die Entwicklung seit Wiederbeginn. Saarbrücken 1971.

 

Heribert Schwan. Der Rundfunk als Instrument der Politik im Saarland 1945 - 1955. Berlin 1974.

 

Rainer Hudemann unter Mitarbeit von Marcus Hahn, Gerhild Krebs und Johannes Großmann, Hrsg.: Stätten grenzüberschreitender Erinnerung – Spuren der Vernetzung des Saar-Lor-Lux-Raumes im 19. und 20. Jahrhundert. Lieux de la mémoire transfrontalière – Traces et réseaux dans l’espace Sarre-Lor-Lux aux 19e et 20e siècles, Saarbrücken 2002, 3., technisch überarbeitete Auflage 2009. Publiziert als CD-ROM sowie im Internet unter www.memotransfront.uni-saarland.de - Der Artikel über den Saarländischen Rundfunk ist unter folgender URL zu erreichen: http://www.memotransfront.uni-saarland.de/saarlaendischer_rundfunk.shtml

 

Die Tondokumente wurden der Doppel-CD "Radio an der Saar 1935-1995. Ein Querschnitt durch 60 Jahre Programmgeschichte" entnommen (Saarländischer Rundfunk Saarbrücken. 1995.) (Eine bezahlte Lizenz zur Verwendung des GEMA-Repertoires auf dieser Website liegt vor.)

 

Zeitgenössische Originaldokumente: Landesarchiv Saarbrücken. Detaillierte Angaben dazu finden Sie an den jeweiligen Stellen.

 

 

 

Inhalt des Kapitels RADIO UND FERNSEHEN:

 

1)  Geschichte des Rundfunks im Saarland (von 1929 bis 1959 und später)

  

2)  Radio Saarbrücken:

     a)  Der Heimatsender der Saarländer

     b)  Radio-Erinnerungen

     c)  Reporter und Übertragungswagen

     d)  Die Familie Weissenbach  (die beliebten Moderatoren Gerdi und Fritz)

     e)  Die Saarlandbrille  (beliebte Sonntagssendung mit "Zick, Zack & Marieche")     

     f )  Die Wartburg (das Funkhaus von Radio Saarbrücken)

     g)  Der Mittelwellen-Sender Heusweiler  /  Bilder vom Heusweiler Sender

 

3)  Fernsehen im Saarland der 50er Jahre: Von TELESAAR zum SR-Fernsehen

 

4)  Europe 1

     a)  Der private französische Langwellensender Europe No 1     

     b)  Die Antennen-Anlage von Europe 1 - Mastbruch 2012

  

5)  Radio- und Fernsehgeräte aus saarländischer Produktion

 

Diese Seite wurde 2007 begonnen und zuletzt bearbeitet am 14.10.2017

 

 

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