oben

Home (zur Startseite) >> www.saar-nostalgie.de


 

Saar-Flugzeuge 1

 

 

 

(Flugverkehr und Sportfliegerei)

 

Inhalt:

1) Geschichte der Fliegerei im Saarland

2) Der Flughafen Saarbrücken-St. Arnual

3) Flugzeuge im Saarland

    a) in St. Arnual

    b) auf dem Flugplatz La Motte in Lebach

    c) in Ensheim

    d) auf anderen Flugplätzen

4) Flugzeugunfälle im Saarland der 50er-Jahre


Dieses Kapitel wird noch durch weitere Infos und Fotos ergänzt werden.                         > zur Übersichts-Seite des Kapitels VERKEHR

 

> Zur Seite Flugzeuge 2  mit einer vollständigen Auflistung aller im Saarstaat zugelassenen Flugzeuge

 


 

Bild einer JU52 wird geöffnet....

Das Foto zeigt den Walpershofener O. Blass beim Aussteigen aus einer JU 52 auf dem Flugfeld Saarbrücken-St. Arnual, 1937. (Foto: Manfred Diehl, Walpershofen)

 

 

 

1) Geschichte der Fliegerei im Saarland

 

 

 a)  Anfänge des Flugverkehrs in St. Arnual  (1909 bis 1939)

 

 

Die Luftfahrt begann für Saarbrücken am 19.12.1909, als der Ballon "Prinzess Viktoria" zu einer Fahrt von den St. Arnualer Wiesen abhob und bis Essen kam. Ab 1911 wurden Flugwettbewerbe und Flugschauen (zum Teil zu militärischen Zwecken) auch in unserer Region durchgeführt. Dies führte zur Eröffnung des ersten Saarbrücker Flughafens auf den St. Arnualer Saarwiesen. Am 19. Juni 1914 wurde hier eine Flugzeughalle eingeweiht. Am 17. Sept. 1928 landete eine 15-sitzige Junkers G 31 in Saarbrücken - sie war damals das modernste Landflugzeug der Lufthansa - und wenig später eine "Goliath" der französischen Compagnie Aérienne Farman, die aus Paris kam.

 

Damit war der Anschluss des Saargebiets an das internationale Verkehrsflugnetz vollzogen. 1929 wurden die Fluglinien Saarbrücken - Frankfurt und Saarbrücken - Paris eröffnet. 1932 konnten gut betuchte Geschäftsreisende und vermögende Touristen von Saarbrücken aus auch nach Berlin, Köln, Stuttgart, München, Düsseldorf oder Budapest fliegen. Zugleich gewann das Flugzeug in den 1930er-Jahren auch für den Frachtverkehr an Bedeutung, und die Flugzeuge wurden immer größer. Daher konnte der Standort St. Arnual die ständig steigenden Anforderungen des wachsenden Flugverkehrs bald nicht mehr erfüllen. Die Start- und Landebahn war zu klein, die Anflugbedingungen waren schwierig, die Wohngebiete lagen zu nahe. Bei Hochwasser der Saar bestand Überflutungsgefahr (siehe auch weiter unten, am Ende von Abschnitt 1b).

 

Baubeginn in Ensheim

 

Deshalb, und weil das NS-Regime zur Kriegsvorbereitung einen größeren Flughafen als Ersatz für den bestehenden Flugplatz in St. Arnual wünschte, wurde schon im Jahr 1935 damit begonnen, auf der Ensheimer Höhe (322 m über NN) einen neuen Flughafen zu errichten. Man legte mehrere Felder und Wiesen zusammen und planierte ein kreisrundes Flugfeld mit einem Durchmesser von 800 m (s. Bild unten!). So hätten die Flugzeuge bei jeder gegebenen Windrichtung immer gegen den Wind starten und landen können. Rund um den Platz wurden Pappeln gepflanzt.

 

 

Das Verkehrs-Luftschiff LZ-127 Graf Zeppelin kam am 25. Juni 1933 nach

St. Arnual. Es war 236 m lang, fasste über 105.000 m³  Gas und hatte fünf

Maybach-VL2 Motoren mit je 570 PS. Es konnte 20 Passagiere befördern.

 

Eine Zufahrtstraße und ein Flugbetriebsgebäude mit betoniertem Abfertigungs-Vorfeld wurden errichtet, und man plante, den neuen Flughafen Ensheim Anfang September 1939 zu eröffnen. Dazu kam es aber nicht mehr, denn schon am 1. September begannen die kriegerischen Handlungen, die zum Zweiten Weltkrieg führten.

 

Kurze Zeit später wurde der gesamte Flugverkehr in und um Saarbrücken eingestellt. Als am 25. Oktober 1939 um 19:10 Uhr die letzte Linienmaschine der Lufthansa auf dem Flugfeld in St. Arnual landete, fand die Pionierzeit des Luftverkehrs an der Saar ihr Ende.

 

Während des Krieges fand in unserem Land kein ziviler Flugbetrieb statt, weder in St. Arnual noch in Ensheim. Der neue Platz in Ensheim wurde allerdings gelegentlich von der deutschen Luftwaffe als Bedarfslandeplatz und Zwischenstation für Bomber- und Transportverbände benutzt, um Güter und Personen mit Maschinen des Typs JU-52 und He-111 an die Front zu befördern. Die Alliierten sollen den Platz nicht beachtet haben. [1]

Das Foto zeigt den Flughafen Ensheim in den 50er-Jahren. Landesbildstelle Saarland im LPM, Foto von 1958: Marcel Klippel)

 

Der zwischen 1935 bis 1939 neu errichtete Ensheimer Flugplatz blieb aber bis 1955 zunächst unbenutzt (siehe im Abschnitt 1c).

__________________

 

[1] Siehe: Gerd Gensheimer. "Im Propellerwind", Eigenverlag Saarbrücken, 2006. Seite 121.

 

 

b)  Erneuter Flugbetrieb in St. Arnual nach dem Krieg (von 1945 bis 1955)

 

 

Kurz nach dem Krieg nahm die französische Militärregierung wider Erwarten den neuen und bereits seit 1939 fast fertiggestellten Flugplatz in Ensheim nicht in Betrieb (siehe in den Abschnitten a und c), sondern sie eröffnete wieder das St. Arnualer Flugfeld (Bild rechts). Es war 800 x 500 Meter groß*), lag auf einer Höhe von 189 m über NN und wurde vom Militärgouverneur (und späteren Hohen Kommissar) Gilbert Grandval verwaltet, der es für seine Dienstflüge nach und von Paris nutzte. Grund dafür, dass er das Flugfeld in St. Arnual trotz seiner bekannten Nachteile (s.o.) vorzog, könnte gewesen sein, dass es in einer bequemeren Nähe zur Stadt gelegen war als das neue Ensheimer Flugfeld.

 

*) Das gesamte Areal der St. Arnualer Wiesen maß ca. 1400 x 700 Meter, konnte aber nur teilweise fliegerisch genutzt werden.

 

Das Foto zeigt die Gebäude der Flugleitung und des Wetteramtes am Flughafen St. Arnual. (Foto: L.A. Saarbr., Orient GmbH Saarlouis)

 

Grandval flog eine Nord 1101-Noralpha (siehe Foto weiter unten, im Abschnitt 3a), sein Pilot war der Straßburger Leutnant Raimond Streiff. Als dieser aus dem Militärdienst ausschied, wurde ein Herr Martin sein Nachfolger. Bordmechaniker war anfangs Marcel Peyrou, später Paul Neill. (Infos: Frieder Niquet. Mehr über die Flugkünste Raimond Streiffs und sein späteres Flugzeug: unten im Abschnitt 3a)

 

Grandval war aber auch selbst Pilot und begeisterter Flieger. Vielleicht war dies der Grund dafür, dass er schon 1949 dem Saarland die Genehmigung für einen eigenständigen Flugbetrieb erteilte. 1950 landete die erste Linienmaschine nach dem Krieg in St. Arnual: eine Dragon-Rapid der französischen Fluggesellschaft TAW.

 

Letztere richtete beim Beginn der Saarmesse im April 1953 einen täglichen Linienflugbetrieb von Saarbrücken nach Paris ein, der bis 1955 aufrechterhalten wurde. Mit einer zweimotorigen De Havilland 89, die sich als Doppeldecker auch mit kleineren Rollfeldern begnügte(siehe Foto), bewältigte man die Strecke in 1 h 40 min. (ein D-Zug benötigte damals 6 1/2 Stunden *). Der Flug soll nur wenig mehr als ein Bahnticket der 1. Klasse gekostet haben. Dieser Linienflugbetrieb wurde bis 1955 aufrechterhalten (siehe am Ende dieses Abschnitts).

*) heute mit dem TGV/ICE 1h 50min! - siehe hier

Infos und Foto aus der Saarbrücker Zeitung vom 15.April 1953

 

Im Mai 1949 wurde der Aero-Club Saar gegründet. Da im Saarland der Flugbetrieb unter französischer Lufthoheit stand, durften nun auch die Sportflieger schon wieder "in die Luft gehen", und zwar viel früher als in der Bundesrepublik: Dort wurde der zivile Motorflugbetrieb erst nach der Wiedererlangung der deutschen Lufthoheit am 1. Mai 1955 möglich.

 

An der Saar forderten die zuständigen Behörden von den zunächst sechs Flugwilligen (darunter waren einige ältere Flieger), dass sie vor ihrem ersten Start eine gültige französische Motorfluglizenz erwarben.

 

Die Segelflieger-Piloten besaßen noch keine Flugzeuge. Deshalb bauten sie ihren ersten Schulgleiter, einen SG-38, aus den Teilen dreier Segelflugzeuge zusammen, die sie vom Aero-Club Saargemünd gekauft hatten. Er startete am 25. Dezember 1949 zu seinem Jungfernflug an der Winde.

 

Links: Diese Zeitungsmeldung über den Aero-Club erschien in den frühen 50er-Jahren.

 

Nun kamen sogar ehemalige deutsche Luftwaffenpiloten nach Saarbrücken, um hier zu fliegen, da ihnen dies in der Bundesrepublik noch nicht erlaubt war. Auch zahlreiche flugbegeisterte Saarländer ließen sich zu Piloten ausbilden. Darunter waren etliche bekannte Saarbrücker Geschäftsleute, ohne deren finanzielle Beteiligung ein so früher Flugbetrieb nicht möglich gewesen wäre. Die ersten Motorflugzeuge, die die Saarbrücker Piloten flogen, waren in Nancy-Essey und Saargemünd stationiert und trugen daher noch die französische F-Kennung. Dann begann man damit, im Saarland alte Vorkriegsmodelle wieder herzurichten. Die zusammengebastelten Flugzeuge wurden von den französischen Behörden abgenommen und zugelassen. Zunächst flogen sie ohne jegliche Kennung, aber bald erhielt das Saarland ein eigenes Länderkennzeichen für den Flugverkehr, nämlich "SL". Danach folgten ein Bindestrich und drei weitere Buchstaben; siehe Beispiel im Foto: SL-AAZ.

[Die Kennung"SL" war später, zu Beginn der 90er-Jahre, kurzzeitig dem Land Slowenien zugeteilt; dies wurde aber bald wieder geändert; seitdem fliegen die slowenischen Flugzeuge unter S5.]

 

Im Laufe der Zeit entstanden folgende Untergruppen:

1. Aero-Club Saar e.V. - Flugplatz Ensheim
2. Aero-Club Neunkirchen e.V. - Flugplatz Bexbach
3. Flugsport-Club Lebach e.V. - Flugplatz Schloss la Motte,

   später Flugplatz Düren; der Verein existierte von 1954-85
4. Club der Motorflieger Ensheim e.V. - Flugplatz Ensheim

 

 5. Universitäts-Flugsport-Club Saarbrücken e.V. - Flugplatz Ensheim (?)

 6. Flieger-Club Homburg-Erbach e.V. - Flugplatz Bexbach (?)
 7. Flugsportverein Kreis St. Ingbert e.V. - Flugplatz ??
 8. Fliegerschule Saarbrücken im Aero-Club Saar e.V. - Flugplatz Ensheim
 9. Flugsportfreunde Saarlouis-Merzig - Flugplatz ??
10. Flugsportfreunde Elversberg - Flugplatz ??
 (Aufstellung von Stefan Rimkus)

 

Nach der Volksbefragung am 23. Oktober 1955 kam schließlich das endgültige Aus für den Flugplatz St. Arnual.

 

Es gab mehrere Gründe dafür: Er war wegen seiner Nähe zur Saar stark hochwassergefährdet, und für einen regelmäßigen Flugbetrieb war der Abstand des Platzes zu bebauten Gebieten viel zu gering. Deshalb musste er geschlossen werden. Fast alle Gebäude auf dem Flughafengelände fielen dem Abrissbagger zum Opfer. Und so war in St. Arnual sehr bald nichts mehr von dem alten Flugplatz zu sehen. (Mehr darüber weiter unten im Abschnitt 2).

 

Nur die Flugzeughalle hat bis heute überlebt: Sie wurde zunächst vermietet und eine Zeitlang von der Güdinger Firma Huppert als Reparaturwerkstatt für LKW verwendet. Später zerlegte man sie irgendwann in Einzelteile und verfrachtete sie nach Eiweiler, wo sie noch heute von dem dort ansässigen Holzwerk als Lager- oder Produktionshalle weiterbenutzt wird - siehe Foto rechts in der Bildmitte  (Foto: Sammlung K.H.Janson).

 

 

c)  Flugbetrieb in Ensheim erst ab 1955

 

Der schon zwischen 1935 und 1939 auf der Ensheimer Höhe errichtete neue Flughafen war wegen des Kriegsausbruchs nicht eröffnet worden; auch während des Krieges wurde er nur sporadisch benutzt (siehe oben, am Ende von Abschnitt 1a), und nach dem Krieg fand im teilautonomen Saarstaat der gesamte Flugverkehr weiterhin in St. Arnual statt (siehe oben im Abschnitt 1b).

In den frühen 50er-Jahren wurde das ungenutzte Flughafengebäude in Ensheim als Kinderheim verwendet. Im Mittelgebäude war unten der Essraum, und oben befanden sich die Schlafräume. Im Rahmen der Kindererholung im Saarland war z.B. unser Leser Hans Werner Birkenbach für sechs Wochen dort untergebracht. Die Karte hatte er damals an seine Eltern geschickt, laut Poststempel im Jahr 1954.

(Postkarte: Sammlung H.W. Birkenbach)

 

Erst von 1955 an wandte man sich wieder dem weiteren Ausbau des Flughafens Ensheim zu. Man ging nun daran, das kleine Flugfeld und das Abfertigungsgebäude endlich fertigzustellen. Der kreisrunde Landeplatz sah mit dem betonierten Vorfeld von oben wie ein riesiger Aschenbecher aus und hatte dadurch schnell seinen Spitznamen weg. Seine weitere Entwicklung stagnierte jedoch jahrelang wegen der geringen Größe des Flugfeldes, das nur für Sportflieger wirklich gute Bedingungen bot.

Flughafen Saarbrücken Ensheim, oben im Jahr 1955, rechts 1958. (Diese beiden Aufnahmen: © Landesbildstelle Saarland im LPM, Foto Marcel Klippel)

 

Erst 1964 beschloss die CDU-Landesregierung den Ausbau nach internationalem Standard. Am 21. August 1967 wurde der Linienflugbetrieb von Saarbrücken nach Düsseldorf aufgenommen, 1969 der Ferienflugbetrieb nach Spanien, und 1972 wurde Saarbrücken-Ensheim zum elften Internationalen Verkehrsflughafen der Bundesrepublik erklärt.

 

 

Wir wenden uns jetzt noch einmal dem Flughafen St.Arnual zu:

 

2) Bilder vom Flughafen Saarbrücken-

 

    St. Arnual ("Daarler Flughafen")

 

                                 

Oben: Der ehemalige Flughafen St. Arnual auf einem Saarbrücker Stadtplan von 1927. Die Saar machte damals in Richtung Brebach noch eine große Schleife, von der nach ihrer Begradigung nur zwei kurze Seitenarme übrig blieben. Heute fließt sie etwa dort, wo früher die Flugzeughalle stand. Parallel dazu, zwischen Saar und Stiftskirche (auf der Karte: "Ev. Kirche") und den östlichsten Häusern von St. Arnual, verläuft heute die Autobahn.

 

Bild links: Der Stadtteil St. Arnual von oben (50er-Jahre). Etwa in der Mitte sieht man die Stiftskirche, links davon den Daarler Markt. Oben ist die Saar noch in ihrem alten Verlauf. Heute würde man sie im Blickwinkel dieses Bildes von der Mitte des oberen Randes aus etwas schräg nach rechts unten verlaufend sehen, etwa über die hier im Bild noch existierende Landebahn hinweg. Unten rechts im Bild sieht man die Flugzeughalle und etwas weiter oben das Flughafengebäude mit dem weißen Vorfeld.

    

Flughafen St. Arnual, von der Stiftskirche aus nach Osten gesehen.

 

Im Hintergrund erkennt man Teile von Brebach und die Halberger Hütte.

 

Das Foto ist wahrscheinlich von 1948.

 

(Foto: Stadtarchiv GÖ17.101 u. Landesarchiv Saarbrücken, H.-J. Hartmann)

 

 

Die gesamte Wiesenfläche, auf der sich der Flughafen befand, hatte eine Länge von etwa 1400 m und eine Breite von 700 m. Nach 1945 wurde er zum Schutz vor Überflutung durch einen von NW nach SO verlaufenden Wall aus Trümmerschutt der Länge nach getrennt, so

dass nur noch ein etwa 300 m breites Feld auf der St. Arnualer Seite übrig blieb. Darin stand eine Grasbahn als Start- und Landebahn zur Verfügung, die im Norden auf den späteren Schlachthof zulief). Das Vorfeld war betoniert.

 

 

Bild oben: Blick auf die Flugzeughalle und einen Teil des Flugfeldes während einer Flugvorführung 1954, Blickrichtung etwa nach SW. Die Stiftskirche steht rechts davon, außerhalb des Bildes.  (Foto: Landesarchiv Saarbrücken, Azur-Luftbild)

 

   

Flugzeughalle St. Arnual, rechts dahinter steht die Stiftskirche.           Blick auf das Flughafengebäude mit der Flughafenverwaltung

 

 

Wir sind in einem Flieger vom St. Arnualer Flughafen aus gestartet. Rechts die Christ-König-Kirche, vorne links verläuft die Saargemünder Straße.  In der Bildmitte die Regierungsgebäude am Ende der Alleestraße (heute Franz-Josef-Röder-Straße),  links dahinter das Stadttheater.

 

 

Blick über den Flugplatz von der St. Arnualer Seite aus auf die ersten Häuser von Brebach.

 

Hier schauen wir von dem Haus Augustinerstraße 1 aus (neben der Stiftskirche) über die Flughafengebäude

auf die Halberger Hütte in Brebach. (Beide Fotos oben: Ernst Becker, Heckendalheim)

 

 

Bei dem verheerenden Hochwasser im Winter 1947/48 waren auch die St. Arnualer Wiesen und damit der Flughafen überflutet. Der Tower schaut gerade noch aus dem Wasser heraus. (Fotos: Ernst Becker, Heckendalheim.)

 

 

Das Gebiet des St. Arnualer Flughafens heute

 

 

Der Saarbrücker Pilot Gerd Gensheimer schreibt in seinem Buch "Im Propellerwind" (siehe Literaturangaben am Ende dieser Seite):

 

"Dort, wo sich einst Flugzeughalle mit betoniertem Vorfeld, Flugbetriebsgebäude, Rollwege und Grasbahn befanden, verlaufen heute in aufgeschüttetem Gebiet Autobahn und begradigte Saar. Nichts lässt mehr darauf schließen, dass hier einmal ein wichtiges Kapitel deutscher und saarländischer Fluggeschichte, mit vielen bekannten Persönlichkeiten aus Fliegerei, Wirtschaft und Politik, geschrieben wurde. Nicht zu vergessen die Vielfalt der Ballons, Zeppeline und Flugzeuge, die während dieser Zeit hier zu Gast waren und mit Aufstiegen und Rundflügen große fliegerische Begeisterung bei Jung und Alt auslösten. - Kaum jemand, der heute über die Autobahn an der Stiftskirche vorbei braust, wird wissen, dass er soeben über das historische Gebiet des alten Saarbrücker Flughafens gefahren ist."

  

Foto rechts: So sieht es heute auf dem ehemaligen Flughafengelände in St. Arnual aus. Im Hintergrund sieht man die Stiftskirche, davor verlaufen die Autobahn 620 und die begradigte Saar. Wie man auf dem kleinen Bild erkennen kann, ist der "Flugbetrieb" auf dem Gelände aber auch heute noch nicht ganz eingestellt!

(Farbfoto: Rainer Freyer, 2008)

...

 

3) Flugzeuge im Saarland    

 

 

 (> Zur Seite Flugzeuge 2 mit vollständiger Auflistung aller unter saarländischen Kennzeichen zugelassenen Flieger)

 

Hier folgen Beschreibungen von Flugzeugen der unterschiedlichsten Arten und kleine Erlebnisberichte aus der Saarstaat-Zeit.

 

 

 

 

a) Auf dem Flughafen St. Arnual

 

 

Viele der im autonomen Saarland zugelassenen Flugzeuge trugen, wie das "Grunau Baby II" auf dem Foto rechts, das saarländische Wappen (ohne die Brücke) am Heck. Dieses "Baby" hatten die Flieger in St. Arnual den Flugfreunden in Saargemünd abgekauft.

 

Hintergrundinfos zu dem Flugzeugtyp:

 

Das einsitzige Schulsegelflugzeug Grunau Baby war der weltweit meist gebaute Segler der 30er und 40er Jahre. Es hatte eine Spannweite von 13,50 m, war 6,50 m lang und wurde ab 1933 vom Segelflugzeugbau Schneider in Grunau (Schlesien) gebaut. Nach dem Krieg wurden die meisten "Babys" in den Fliegergruppen nach Werksplänen im Eigenbau erstellt.

(Text nach http://www.bredow-web.de)

 

Diese Bücker 181 wurde am 1. März 1955 von Paris-Meulan nach Saarbrücken überführt. Der Pilot war Franz Klein (auf dem Foto direkt an der Maschine stehend). Als er in Ensheim landen wollte, flog er zuerst im Tiefflug über den Flughafen, der damals bereits in Betrieb war. Da aber noch gefährliche Schneepatches auf dem Flugfeld lagen, winkten zwei Verantwortliche ab und wiesen in Richtung Westen (es gab noch keinen Tower und keine Funkverbindung). Statt zu gehorchen und nach Metz zu fliegen, landete Klein die Maschine noch einmal auf dem eigentlich schon geschlossenen Flugfeld in St. Arnual, das fast schneefrei war. Ein paar Tage später flog er sie dann nach Ensheim.

 

(Bericht: Egon Gross u. Franz Klein, Lebach)

 

 

Der Hohe Kommissar für das Saarland, Gilbert Grandval, war selbst Pilot und begeisterter Flieger. Hier steht er (mit verschränkten Fingern) vor seiner Maschine (einer Nord 1101-Noralpha) auf dem Flugplatz St. Arnual. Der Reporter von Radio Saarbrücken (rechts, mit dem Mikrofon in der Hand) befragt ihn wohl über seine Reise, von der er offensichtlich gerade zurückgekommen ist, und auf der ihn möglicherweise die Minister Richard Kirn und Erwin Müller (auf dem Foto sind beide links von Grandval zu sehen) begleitet haben. - Im Hintergrund sind Teile der Halberger Hütte zu sehen.

 

Foto: Walter Barbian http://www.saarlandarchiv-walter-barbian.eu

 

 

Die SIPA S 901 mit dem Namen "Europa"

hat Hochkommissar Grandval der Universitäts- Flugsportgruppe Saarbrücken geschenkt.

 

Hier steht sie am 9. Dezember 1951 auf dem Flughafen St. Arnual.

 

Foto: Universitätsarchiv

Diese Maschine war viele Jahre lang am saarländischen Himmel unterwegs. Nebenbei machte sie Werbung für das Kaufhaus Sinn (dieses war in Saarbrücken und in Neunkirchen jeweils in der Bahnhofstraße ansässig).

                                                                                                                                                                                      

Oben im Abschnitt 1b) dieser Seite wird Gilbert Grandvals Pilot erwähnt: Es war der aus Straßburg stammende Leutnant Streiff. Unser Leser Frieder Niquet hat ihn gut gekannt und berichtet:

 

"Als Raimond Streiff aus dem Militärdienst ausschied, wurde er bei der Firma Gutbrod (Bübingen) als Pilot eingestellt und flog diese Ryan Navion super 260. Sie war in St.Arnual stationiert. (siehe auch unsere Seite Flugverkehr 2, ganz unten)

 

                                                                                                                             © R.A. Scholefield

 

Ich war damals 14 Jahre alt und erinnere mich noch sehr gut an den Flugbetrieb in St.Arnual in den Jahren 1952 bis 1954. Ich durfte damals sogar etliche Flüge mit Raimond Streiff mitmachen und flog mit ihm z.B. nach Paris-Celles, Stuttgart oder Straßburg. Auch an zahlreichen "Probeflügen" durfte ich teilnehmen (so deklarierte Streiff sie im Bordbuch). Streiffs Spezialitäten waren gewagte Tiefflüge. So flog er zum Beispiel einmal unter der Seilbahn in Kleinblittersdorf hindurch und dann dem Saarbett folgend bis zum Flugplatz St.Arnual, und das alles in ca. zwei Meter Höhe über Grund [1]. Die Ryan Navion super 260 trug auch während ihrer Zeit in Saarbrücken schon das Schweizer Kennzeichen HB ESG. Später wurde sie nach Genf verkauft."

 

[1] Jean Kind meint, dass unser Zeitzeuge hier ein wenig übertreibt; wahrscheinlich seien es doch ein paar Meter mehr gewesen, so dass die Maschine wenigstens über den Bäumen flog. F. Niquet versichert aber, dass Streiff tatsächlich so tief flog, direkt über dem Wasserspiegel der Saar. Er habe sogar manchmal die Straße am Ufer etwas höher gesehen als das Flugzeug flog.

Das Foto oben wurde bei einer Internationalen Air Rallye auf dem Flugfeld von White Waltham in der Nähe von London im September 1954 aufgenommen. Der Fotograf R.A.Scholefield aus Lancashire, England, hat uns freundlicherweise die Verwendung seines Fotos gestattet (ebenso wie die seines Bildes von der SL-ABE Lokoil weiter unten in Abschnitt d).

 

 

b) Auf dem Flugplatz La Motte in Lebach                (Alle La-Motte-Fotos:  © Flugsport-Club Lebach)

 

 

Anfang Oktober 1954 gründeten einige Flugsportbegeisterte den Flugsport-Club Lebach. Drei Wochen später schlossen sie einen Pachtvertrag für das Fluggelände Schloss la Motte ab. Im November erteilte die Schlossbrauerei Neunkirchen den Auftrag zum Kauf eines Flugzeuges. In Paris-Meulan kaufte man kurz danach eine Bücker 181 zum Preis von 900.000 Franken und schloss einen Haltervertrag mit der Schlossbrauerei ab. Daraufhin begann man mit der Herrichtung des Landeplatzes Schloss la Motte. Im Februar wurde die Bücker nach St. Arnual überführt. Im April begannen die Fluglehrer Franz Klein und Helmut Jakobs die Flugschulung auf dem Flugplatz Ensheim mit zehn Flugschülern.

 

Ende 1955 musste die Bü 181 - sie hatte inzwischen das Kennzeichen SL – AAL erhalten - wegen Motorausfalles notlanden, wobei das Fahrwerk brach. Sie hatte 75 Flugstunden mit 500 Starts absolviert.

 

Von Januar bis Mai 1956 dauerte der Bau der Flugzeughalle. Im Mai wurde ein Reklameflugvertrag mit der Fa. EDEKA, St. Ingbert geschlossen, der mit einer in Epinal ür 800.000 Franken erworbenen Piper J 3 mit dem Kennzeichen SL-AAZ erfüllt wurde. Am 16. September 1956 wurde der Flugplatz La Motte in Lebach im Rahmen eines Flugtags eingeweiht.

 

 

Danach begann die Flugschulung in Lebach mit den Fluglehrern Fr. Klein, H. Jakobs und R. Adolph. Am 21. Juli 1957 feierte man den 2. Flugtag mit Düsenjägern (im Überflug), Helikoptern, der Burdastaffel und Fallschirmabsprung. Immer mehr Piloten erlangten in Lebach ihren Flugschein.

 

 

 

 

 

Im Juli 1959 wurde mit dem Tag X das Kennzeichen der SL-AAZ durch D-EDOH ersetzt.

 

Später besaß der Flugsport-Club Lebach noch drei weitere Piper J3, eine 2-sitzige Jodel D-120 und eine Morane 880. Im Juni 1970 endete die Fliegerei in Lebach; sie wurde bis 1985 in Saarlouis-Düren weitergeführt.

 

 

Bild rechts: Die Piper J3 mit dem Kennzeichen SL-AAZ und der Reklamebeschriftung "EDEKA", hier auf dem Landeplatz des Flugsport-Clubs Lebach bei Schloss La Motte im Jahr 1956.

 

 

 

 

 

  

Im Bild oben links: Karl Jenal, Helmut Hübsch und Franz Klein.                                                                    

 

 

 

 

Bilder vom Flugtag 1957 auf dem Flugplatz La Motte in Lebach

  

 

 

 

 

 

 

 

c) Auf dem Flughafen Ensheim

 

Eine -Piper PA16 (mit der Kennung SL-AAU und dem Landeswappen am Heck) vor der Flugzeughalle in Ensheim. Am Steuerknüppel sitzt Franz Klein, der die Maschine 1956 in Bordeaux für Heinrich Thielen (der rechte in der Dreiergruppe) gekauft hatte. Im Juni1959 wurde sie an die Firma Fauser verkauft. Sie flog von da an mit dem Schriftzug Landsieg. 1961 kaufte sie der Club der Motorflieger Ensheim e.V.: da trug sie schon das Kennzeichen D-EDEH. Der Club behielt sie bis Mai 1965 und verkaufte sie dann an Heinz Untersteller aus Seelbach/Saar. Es gibt ein Foto von 1964, auf dem sie immer noch die Aufschrift „Landsieg“ trägt. Ihr Ende war tragisch: Am 20. April 1969 stürzte sie mit Untersteller und seinem Bruder Albert an Bord ab und schlug in einem Garten zwischen der Ensheimer Straße und der Albert-Weisgerber-Allee in St. Ingbert auf. Die beiden Insassen fanden dabei den Tod; sie hatten insgesamt vier Kinder.

 

Das Bild der Jodel D-112 mit der Kennung SL-AAO von Reinhard Schwindt (Büromaschinenhandel) ist jetzt auf unserer Seite Saar-Flugzeuge 2 in der alphabetischen Liste der Flieger unter SL-AAO zu sehen.)

 

 

Dieses Bild wurde wahrscheinlich beim Flugtag in Ensheim 1950 aufgenommen. Bei dem Segelflugzeug links handelt es sich um eine Mü13 E Bergfalke vom Scheibe Flugzeugbau. Der Doppeldecker rechts mit der Kennung SL-AAD ist eine Stampe SV-4.  (Foto: Luftfahrtarchiv Roland Oster / www.aviationpicture.de)

 

 

d) Auf anderen Flughäfen

 

 

Piper PA-12 Super Cruiser SL-ABE

  • Bevor diese Piper im Saarland flog, war sie registriert unter den Kennungen NC4052H, N4052H und ab 2.3.1948 unter F-BEGP. Halter war Sté L.A.P.I.E 35, Av. d'Italie 75013 Paris. Die Maschine war auf dem Aérodrome de Lognes-Emérainville stationiert. Am 25.3.1957 wurde sie aus dem französischen Register gelöscht mit dem Vermerk „Verkauft ins Saarland“. Das Flugzeug trug nun das Kennzeichen SL-ABE und als Aufschrift den Markennamen des Motoröls "LOKOIL".
  • Nach der Rückgliederung des Saarlandes wurde es am 24.6.1959 unter der bundesdeutschen Kennung D-EDYH auf die Firma Saarbrücker Schmierstoffe G.m.b.H., Saarbrücken 1, Metzerstraße 85 zugelassen.
  • Vom 21.6.1960 bis 22.6.1961 war das Luftfahrtunternehmen Saar Air GmbH Halter der Maschine und danach bis 30.6.1963 die Firma Ing. Franz Bierl, Furth i. Wald. Anschließend wurde die Firma Rudi Engel Luftbild aus Sonnenfeld b. Coburg neuer Eigentümer, von dem sie bis 1978 betrieben wurde. Heute ist sie in Privatbesitz und in Donauwörth-Genderkingen stationiert. [1]

 

Das Bild entstand am 30.5.1957 auf dem südlich von Paris gelegenen Flughafen Toussus-le-Noble (TNF / LFPN). Foto: © R.A. Scholefield

 

[1] Infos über die Maschine aus verschiedenen Quellen; u.a. von Stefan Rimkus. Das Foto haben wir mit freundlicher Genehmigung der Website www.airliners.net unter "SL-ABE" entnommen (vielen Dank für den Hinweis auf das Foto an Freddy Ernst, Luxemburg).

 

 

 

e) Saarländische Teilnehmer beim Deutschlandflug 1957 - von Stefan Rimkus

 

Im Jahr 1956 fand erstmalig nach dem Krieg wieder ein Deutschlandflug statt, organisiert vom Deutschen Aero-Club. Über 70 Flugzeuge nahmen daran teil.

 

Auch 1957 und 1958 wurde jeweils ein Deutschlandflug veranstaltet; dann gab es eine Pause bis 1961, und danach wurden diese Veranstaltungen im Zweijahresrhythmus durchgeführt.

 

1957 flogen auch Flugzeuge aus dem Saarland für den Aero Club Saar mit.

 

 

Kennung

Maschine

    Wettbewerbs-Nr.

Pilot

Folgende Flugzeuge und Piloten nahmen

daran teil:

 

SL-AAT
SL-AAP  
SL-AAH
SL-ABF

Cessna 180

Arado 79

Piper PA 14

Jodel D 11

A3

D2

K4

L6

Klippel, Marcel

Philippi, Alois

Brumm, Gerhard

Martin, K. H.

 

Die saarländischen Teilnehmer flogen alle in Kategorie A; das bedeutete, dass sie Mitglied in einem DAeC-Verein waren.

 

Die Arado 79 von Alois Philipp mit der Kennung SL-AAP hatte bei diesem Flug in Karlsruhe-Forchheim einen Unfall bei der Landung (siehe unten im Abschnitt 4 unter d).

 

Vielen Dank an Stefan Rimkus für diese Mitteilung.

 

 

Weitere Bilder von Flugzeugen sehen Sie auf unserer Seite Flugzeuge 2, auf der alle uns bekannten im Saarland stationierten Flugzeuge aufgeführt sind (z.T. mit Fotos)

 

 

 

4) Flugzeugunfälle im Saarland der 50er-Jahre

 

 

a) Mai 1950: Absturz einer zweimotorigen Nobel auf den Saarbrücker Schlachthof

 

 

Nicht immer geht alles glatt im Flugverkehr. Am 9. Mai 1950 ereignete sich in der Nähe des St. Arnualer Flughafens ein Unfall, bei dem die Maschine vollkommen zerstört und die Insassen verletzt wurden.

 

Zwei Zeitzeugen berichten (Daniel Kircher und Jean Kind, beide damals Schüler der Marschall-Ney Schule):

 

Im Mai 1950 kam es zu einem Flugzeugabsturz entlang der Straße des 13 Januar, nicht weit von der Mainzer Straße entfernt, wo sich ja an der Ecke zum Kieselhumes unsere Marschall-Ney-Schule befand. Es geschah um 4 Uhr nachmittags, kurz bevor wir aus der Schule kamen. Viele Schüler liefen dorthin, um sich die brennenden Trümmer der Maschine anzuschauen. Der beißende, ekelerregende Qualm zog über die Straße bis hin zur Undine. 

 

Der folgende Text wurde zwecks Veröffentlichung vom Informationsamt der Regierung an die Presseagenturen, die saarländischen Zeitungen und Radio Saarbrücken geschickt:

 

 

Am Dienstag, den 9. Mai 1950, landete auf dem für den internationalen Flugverkehr gesperrten Flugfeld in St. Arnual eine mit vier Personen besetzte zweimotorige Maschine Typ Nobel.

 

Der Pilot startete nachmittags um fünf Uhr mit den drei Insassen, ohne sich vorher beim Wetterdienst zu erkundigen. Die Maschine hatte vermutlich Rückenwind und gewann so keine Höhe. Sie schlug mit dem Leitwerk auf eine ungedeckte Halle des Saarbrücker Schlachthofes auf und stürzte auf dem Schlachthofgelände, wenige Meter entfernt von vier Schlachthofmitarbeitern, ab. Einer der Insassen flog aus der Maschine heraus, die anderen konnten aus der sofort in Brand geratenen Maschine heraus gerettet werden. Während der Pilot keine nennenswerten Verletzungen erlitt, wurden die drei Passagiere verletzt und in das Bürgerhospital eingeliefert. Der Pilot wurde in das evangelische Krankenhaus überführt.

 

Das Flugzeug, das einer Pariser Firma gehört, ist in Frankreich zugelassen und in dem Ort Toussy bei Paris*) stationiert. Die sofort benachrichtigte Feuerwehr konnte die Maschine nicht mehr retten, von der nur noch neben den Motorenteilen ein Häufchen Asche übrig blieb. Die Insassen sind sämtlich in Paris ansässig.

 

Bei den Passagieren handelt es sich um den Generaldirektor der Elsässischen Kaligruben Mühlhausen, Louis Urbach, und um die Industriellen Pierre Masnejean und Pierre Decourbay, die mit dem Piloten wieder nach Paris zurückfliegen wollten. Sie besuchten heute die Saarmesse.

 

Die polizeilichen Ermittlungen sind noch im Gange.

 

Der Leiter des Informationsamtes (Albert Dorscheid)  

 

*) gemeint ist wahrscheinlich der in dem folgenden Schreiben genannte Flugplatz Toussus le Noble.

 

 

Am folgenden Tag wurde "von zuständiger Stelle" eine Richtigstellung versandt. Aus dem Schreiben, das nachfolgend wiederge- geben ist, geht nicht hervor, von wem und an wen. Offensichtlich kam sie aus Kreisen der Flugplatzleitung und wurde an die Zeitung geschickt, von wo sie zum Informationsamt geleitet wurde.

(Quellenangabe für die beiden Schreiben: Landesarchiv Saarbrücken, Informationsamt.)

 

 

Zu dem Artikel in der Ausgabe vom Mittwoch (Nr. 106) der Saarbrücker Zeitung betr. den Flugzeugunfall in Saarbrücken erhalten wir von zuständiger Stelle die nachstehende Berichtigung:

 

In dem Artikel beschuldigt die Saarbrücker Zeitung heftig den Flugzeugführer, dass er für den Flugzeug-Unfall verantwortlich sei und drückt sich hierbei in folgender Form aus:

1) Er hätte den Flughafen in St. Arnual angeflogen, obwohl das Gelände für den Flugbetrieb gesperrt ist.

2) Er sei gestartet, ohne vorher die Wetterstation befragt zu haben.

3) Er wäre mit Rückenwind gestartet, wodurch er nicht die nötige Höhe erreichen konnte.

 

Der Flugzeugführer, Herr Couzon, welcher hiervon in Kenntnis gesetzt wurde, protestiert energisch gegen derartige Äußerungen und verlangt, dass ein formelles Dementi in der Presse und durch Radio veröffentlicht wird, und dass man sich bei ihm entschuldigt. Andernfalls würde er nicht davon Abstand nehmen, den gerichtlichen Weg zu beschreiten. Die einzige Ursache ist die, dass das Flugzeug, als es die Hindernisse im nördlichen Teil des Flughafens nahm, durch einen heftigen Wind zu Boden geworfen wurde. Bezüglich der drei dem Flugzeugführer gemachten Vorwürfe ist folgendes auszuführen:

 

1) Durch die vom französischen Luftfahrtamt erteilten Auskünfte ist der Flughafen zugelassen. Übrigens hatte bei seinem Abflug von dem Flughafen Toussus le Noble Couzon einen Flugplan aufgestellt, welcher von der örtlichen Kontrollstelle in Toussus genehmigt war. Danach war der Flugzeugführer voll und ganz im Recht.

 

2) Couzon war über die Wetterlage auf dem Laufenden, da er morgens von Paris gekommen war und bei der Hochdruckperiode die Wetterlage keineswegs Änderungen ausgesetzt war. Übrigens wurde ihm die Schönwetterlage durch den Aspiranten Martin bestätigt, welcher von der Wetterstation gekommen war, um sich über seine Fahrt nach Brüssel vorher davon zu überzeugen.

Die örtlichen meteorologischen Bedingungen, welche nur für diesen Unfall in Betracht gezogen werden könnten, d.h. der Wind bei Start, waren genau durch die Windfahne angezeigt.

 

3) Es ist völlig falsch, behaupten zu wollen, dass das Flugzeug mit Rückenwind gestartet sei. Hierfür sind zahlreiche berufene Zeugen vorhanden. Zur Zeit des Starts gab die Wetterstation einen Wind aus Nord-Nord-Ost von 20-25 Stundenkilometern an; demnach ist das Flugzeug mit ¾ Vorderwind gestartet.*) Übrigens führt Couzon an, dass er nicht mit 3 Fluggästen nach Saarbrücken gekommen ist, sondern wie die Saarbrücker Zeitung anführt, mit nur einem (sic! - sollte wahrscheinlich heißen: "nicht mit 3 Fluggästen nach Saarbrücken gekommen ist, wie die SZ anführt, sondern nur mit einem.")

 

Handschriftliche Vermerke (wahrscheinlich des Ministerpräsidenten persönlich ) unter dem Schreiben:

1) Es liegt kein Interesse an einer weiteren Behandlung vor.    2) z.d.A. 13.5.50 (Handzeichen).

_______________

 

*) Diese Angabe wird auch durch die Beobachtung unserer beiden Zeitzeugen bestätigt (siehe oben in der Einleitung zu diesem Bericht). Sie sagen, dass der Qualm vom Schlachthof her in Richtung Undine zog. Der Wind kam also etwa aus Nordosten.

 

 

 

      b) Absturz einer Sportmaschine am 26. Oktober 1954 auf den Saarbrücker Schlachthof

 

 

Anhand der Trümmer der Maschine lässt sich erkennen, dass es sich um eine Jodel D.92 Bebe handelte. Laut dem 2. Zeitungsbericht war der Pilot ein 27 Jahre alter Schmied aus Saarbrücken. Die handschriftliche Notiz im Bild links bezeichnete wohl das Datum des Unfalls; der 26.10.1954 war ein Dienstag.

 

Das Flugzeug war die F-PDHO (siehe Liste auf unserer Seite Flugzeuge 2), das erste von Karl-Heinz Martin aus einem Bausatz selbstgebaute Flugzeug, ein einsitziges Kleinflugzeug mit VW-Boxer-Motor und 25 PS. Aus diversen politischen Gründen hatte die Maschine ein französisches Kennzeichen erhalten.

 

(Text Stefan Rimkus)

 

 

 

c) Bruchlandung der Bücker Bü 181, SL-AAL, am 20. Dezember 1955

 

 

 

 

 d) außerhalb des Saarlandes:

 

  Beim Deutschlandflug 1957 machte die SL-AAP am 22. Juli in Karlsruhe-Forchheim eine Notlandung (siehe oben im Abschnitt 3e):

 

 

   Foto links: Stadtarchiv Karlsruhe, 8/BA Schlesiger 1957 / A 4 138/1/3 A

 

  Mehr über dieses Flugzeug finden Sie auf unserer Seite Flugzeuge 2 unter SL-AAP

 

Weitere Flugzeugunfälle saarländischer Flieger während der Saarstaatzeit sind uns bisher nicht bekannt.

 

Aber später, nämlich am 20. April 1969, stürzte die Piper PA16, die früher die Kennung SL-AAU (ab 1959 D-EDEH und mit dem Schriftzug Landsieg) mit Heinz Untersteller und seinem Bruder Albert an Bord ab und schlug in einem Garten zwischen der Ensheimer Straße und der Albert-Weisgerber-Allee in St. Ingbert auf. Die beiden Insassen fanden dabei den Tod.

 

Lesen Sie bitte auch auf dieser Seite im Text 2) unseren Bericht über den Absturz eines US-Bombers 1944 am Saarufer in St. Arnual.

 

 


 

Quellen für zahlreiche Infos auf dieser Seite:

 

- Gerd Gensheimer: "Im Propellerwind", Saarbrücken 2006. Erhältlich beim Autor unter Tel. 0681 / 815372.

- Mündliche Zeitzeugenberichte, z.B. von Gerd Gensheimer und Roland Stigulinszky (beide in der Saarstaatzeit selbst aktive Flieger)

 

 

Literatur zum Thema Luftverkehr im Saarland:

 

Rudolf Kretschmer. Flughafen Saarbrücken und Luftverkehr mit dem Saarland bis 1939. Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat OHG Münster 2010.

 

Internet-Links:

 

- http://www.memotransfront.uni-saarland.de/flughafen_saarbruecken.shtml

- http://www.ebn24.com/index.php?id=26405&L=0       

 

Die meisten privaten Fotos von Sportflugzeugen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Egon Gross, Lebach, und Gerd Gensheimer, Saarbrücken (falls nicht anders vermerkt).    

 

 


 

 > Zur Seite Flugzeuge 2 mit vollständiger Auflistung aller unter saarländischen Kennzeichen zugelassenen Flieger

 


 

 

In unserem Verkehrskapitel finden Sie Fahrzeuge aller Art auf folgenden Seiten:

 

Nutzfahrzeuge (LKW 1) (LKW 2).  Kombis.  Gottlieb.  Post.   Traktor, Müll, Bagger, Kran, Leichenwagen: Sonderfahrzeuge.

 

Öffentliche Verkehrsmittel:

Straßenbahn. Trolleybus (Obus).  Postomnibusse: Saar-Kraftpost.  Andere Omnibusse (Stadt-, Gruben- und private Busse): Omnibusse.

 

Weitere Fahrzeugseiten:  Kfz-Kennzeichen.  PKW (französ.).  PKW (deutsch u. ausländ.).  Krafträder u. Motorroller: Motorräder.

                                        Feuerwehren.  Polizeifahrzeuge.  Reportagewagen: Radio Saarbrücken. Flieger. Schiffe.

 


Diese Seite wurde begonnen am 25.2.2008 und zuletzt bearbeitet am 29.8.2017

 

 

> Übersichts-Seite des Kapitels VERKEHR

 

 

nach oben

|

arrow4_L.gif zurück <---------> weiter arrow4_R.gif

wwwonline-casino.de

 

(Gesamt seit 2008)

 

Home (zur Startseite) > www.saar-nostalgie.de